Mannheim. (GK) Vor dem Match redete alles von Krise in der Kurpfalz und es hingen düstere Wolken über der
SAP-Arena. Und die Mannheimer Cracks spürten die Last, die aufgrund zuletzt schwacher Auftritte auf ihren Schultern lastete. Als Chris Lee in 65. Minute dann den Puck zum 4:3 (1:0/1:3/1:0/1:0) Endstand ins Tigers Gehäuse hämmerte, konnte man im weiten Rund förmlich spüren, wie allen Adler-Cracks eine Tonnenlast von den Schultern gefallen war. Zwar konnten die Mannheimer nur ein „Zweier“, also ein Sieg nach Verlängerung, einfahren. Doch schaut man auf den Spielverlauf und betrachte wie der Sieg zustande kam, war es großer, ja, ein ganz wichtiger Triumph. Denn als Mannheim in der 37. Minute schon mit 1:3 zurücklag, herrschte im weitem Rund betretenes Schweigen und keiner gab mehr einen Schuss Pulver für die Adler. Und wäre der Spielstand so geblieben und die Adler hätten verloren, wäre der Druck am Sonntag gegen Nürnberg noch gewaltiger gewesen und ein Sieg wäre noch schwerer zu erreichen gewesen als am Freitag.
Aber wenn die Adler-Mannschaft der Saison 2011/12 etwas auszeichnet, dann ist es ihre Fähigkeit längst verloren geglaubte Spiele wieder zu drehen und sie noch zu gewinnen. So auch gegen Straubing. Die Adler lassen sich zurecht als „Stehaufmännchen“ bezeichnen, die – wenn sie wollen – noch fast jedes Match kippen könne. Ganz wichtig hierbei ein Spieler, und zwar Verteidiger Chris Lee. „Mister Hammer“, wie er auch genannt wird, ist wohl der Schlüsselspieler im Team. Ihn in Mannheim zu halten, wird die Verantwortlichen zwar einiges an Geld kosten, doch Chris Lee ist jeden Euro wert und der Top-Einkauf der letzten Jahre.
Die Straubinger müssen die Köpfe nicht hängen lassen. Sie haben eine kämpferisch gute Leistung in den Drittel zwei und drei gezeigt und nehmen verdient einen Punkt mit nach Niederbayern. Dass sie letztlich in der Verlängerung verloren haben, entspricht dem Spielverlauf und den Spielanteilen. Der Sieg der Adler ist als verdient zu bezeichnen.
Zur Chronologie:
Die Adler sprühten geradezu vor Spielfreude und Laufbereitschaft. Man merkte sofort, dass sie nach den letzten Pleiten etwas gut machen wollten. Somit gehörten die ersten Angriffsequenzen ganz alleine den Adlern. Und sie nutzten diesen Offensivschwung konsequent zum 1:0 durch Ronny Arendt auf Zuspiel von Verteidiger Niko Goc in der 2. Minuten. Auch in der Folgezeit blieben die Adler das dominierende Team. Doch vergaben Adam Mitchell (4. Min) und Nico Dimitrakos (5. Min) Großchancen. Auch eine Überzahlsituation ab der6. Minute konnten die Mannheimer nicht nutzten. Zwar brannten sie ein wahres Feuerwerk ab, doch wollte der Puck einfach nicht über die Linie gehen. Straubing vermochte es kaum, sich aus der Umklammerung lösen. Nur gelegentlich gelang es ihnen ein Entlastungskonter zu starten. Zu drückend war die Überlegenheit der Adler. Sowohl Frank Mauer (11. Min) wie auch Florian Kettemer (14. Min), Niko Dimitrakos (16. min) und Mike Glumac (17. Min) erspielten sich tollen Einschussmöglichkeiten, aber Torhüter Barry Brust war stets auf dem Posten. Richtig gefährlich wurden die Tigers erst zwei Minuten vor Schluss des Drittels, als Denis Reul für zwei Minuten auf die Strafbank musste.
Im zweiten Drittel zunächst das gleiche Bild. Dann jedoch der Bruch im Spiel und Straubing im Glück. Zunächst verlief ein Wechsel bei den Adlern nicht optimal und dazu kam, dass Torwart Felix Brückmann gerade erst frisch für den am Knöchel verletzten Fred Brathwaite im Adler-Tor strand; und schon stand es in der 24. Minute 1:1 durch Matthew Hussey. Und wie es häufig so ist, wenn schon der Wurm drin ist, dann richtig. Keine zwei Minuten später nutzte Straubing eine Überzahlsituation und Andrew Canzanello markierte das 2:1 für die Tigers. Damit war zwar der Spielverlauf den Kopf gestellt, doch so ist nun mal Sport, die einen sind überlegen und machen das Spiel und die andern schießen die Tore.
In der Folge lief bei Mannheim nicht mehr viel zusammen. Der Frust saß tief. Man hatte sich so viel vorgenommen und stand plötzlich wieder vor einem Scherbenhaufen. Nahezu kampflos wurde den Niederbayern die Eisfläche überlassen. Als dann in der 37. Minute auch noch das 3.1 für Straubing durch Rene Röthke fiel, schien alles verloren zu sein. Adam Mitchell brachte in der 39. Minute dann aber mit seinem Anschlusstreffer zum 2:3 die Mannheimer wieder heran und ließ die Adler für das letzte Drittel wieder hoffen.
Im letzten Abschnitt waren die Adler dann wieder hellwach und starteten die Aufholjagd, wobei Straubing ebenso engagiert dagegenhielt. Die positive Konsequenz war ein tolles Eishockeyspiel, das die Zuschauer durch Rasanz und Einsatzwille begeisterte.
Die große Chance für die Adler den Ausgleich zu erzielen dann zwölf Minuten vor Schluss, als sie mit 5:3 Feldspieler agieren konnten. Die Zuschauer standen nun alle auf und peitschten ihre Adler frenetisch nach vorne. Doch agierten die Adler zunächst ungeschickt und harmlos. Doch als es schon fast so aussah als hätten die Blau-Weiß-Roten die große Gelegenheit vertan, war „Mister Hammer“ Chris Lee zur stelle und nagelte in der 50. Minute den Puck zum 3:3 unhaltbar für Goalie Barry Brust in die Maschen des Straubinger Tores.
Was folgte war es ein offener Schlagabtausch, bei dem Adler dominierten, aber auch Straubing seine Chancen hatte. Bis Drittelende fiel aber kein Treffer mehr und so ging es in die Verlängerung. Hier ein ähnliches Bild wie im dritten Drittel, Mannheim überlegen , aber auch die Tigers brandgefährlich und mit guten Gelegenheiten.
Mannheimer Adler - Straubing Tigers: 4:3 (1:0/1:3/1:0/1:0) n. V.
Tore: 1:0 (1:26) Ronny Arendt (Nikolai Goc/Frank Mauer)) – EQ; 1:1 (23:20) Matthew Hussey (Rene Röthke/Florian Ondruschka) – EQ; 1:2 (25:52) Andrew Canzanello (Karl Stewart/Matthew Hussey) – PP1; 1:3 (36:05) Rene Röthke (Karl Stewart/Matthew Hussey) – EQ; 2:3 (38:20) Adam Mitchell (Chris Lee/Yanick lehoux) – PP1; 3:3 (49:28) Chris Lee (Yanick Lehoux/Yanick Seidenberg) – PP2; 4:3 (64:30) Chris Lee (Yanick Lehoux/Steven Wagner) – EQ
Strafen: Mannheim: 4 Min – Straubing: 10 Min
Schiedsrichter: Gregor Jablukov
Zuschauer: 10.985
Aufstellungen:
Mannheim: Brathwaite (Brückmann) –Belle, Sifers, Kettemer, Lee, Wagner, Reul, Goc, Kettemer – Mauer, Dimitrakos, Seidenberg, Arendt, Mitchell, Magowan, Glumac, Kink, El-Sayed, Lehoux, Plachta, Gelke
Straubing: Brust (Guryca) – Ondruschka, Bakos, Canzanello, St. Jaques, Osterloh, Dotzler, Elfring – Stewart, Hussey, Röthke, Ramsay, Meunier, Germyn, Sparre, Daoust, Schönberger, Keil, Hundhammer, Brückner
Three Stars:
*** Chris Lee (Adler)
** Matthew Hussey (Tigers)
* Yanick Lehoux (Adler)
Archivfotos zum Thema:




