Straubing. (ma) Das Spiel war bereits zwei Tage zuvor restlos ausverkauft und laut Tabelle spielte der Fünfte gegen den Spitzenreiter, aber ein Blick auf die Statistik verriet mehr. Mit den Eisbären Berlin kam die ligastärkste Auswärtsmannschaft, während Straubing die zweitstärkste zu Hause ist. Den Tigers war es von Beginn an anzumerken, dass sie dieses Spiel bestimmen wollten. Beide Teams boten den Zuschauern ein hocklassiges, rassiges Match in dem kein Spieler bereit war auch nur einen Zentimeter Eis her zu schenken.

 

Der erste Torschuss erreichte Rob Zepp genau nach acht Sekunden und der wäre beinahe drin gewesen. Die Berliner ihrerseits setzten mit harten Checks in allen Zonen dagegen, so wurde es ein enorm intensives und hartes aber faires Eishockeyspiel in dem Schiedsrichter Brüggemann zu keiner Zeit die Übersicht verlor. In den ersten Minuten drückten die Tigers gewaltig auf das Tor der Berliner und Meunier, Bakos und Osterloh prüften ein ums andere mal Nationaltorhüter Zepp. Die Gäste die, je länger das Spiel dauerte, das Zepter in der neutralen Zone übernehmen konnten kamen durch Tallackson und Busch zu guten Chancen, aber Barry Brust präsentierte sich ebenfalls in bester Spiellaune. Die Laune bei den Fans auf den Rängen eilte dann steil nach oben, als die Tigers ihre erste Überzahlmöglichkeit gleich in Zählbares umwandeln konnten. Jean-Michel Daoust stand goldrichtig und konnte den Querpass von Hundhammer ins halbleere Tor ausnutzen zur 1:0 Führung. Don Jackson war sichtlich unzufrieden mit dem Spiel seiner Mannen. Mit diesem Spielstand und ein paar blauen Flecken auf beiden Seiten der Spieler ging es in die erste Drittelpause.

 

Jean-Micheal Daoust - © by Eishockey-Magazin

Intensiv, verrückt und spannend

Eines der spannendsten Drittel dieser Saison sollte nun im Mittelabschnitt folgen und war an Dramatik kaum mehr zu überbieten. Die Gäste legten gleich zu Beginn los wie die Feuerwehr. Sven Felski fälschte gefährlich vor Brust ab, aber der Puck ging nur Zentimeter am Tor vorbei. Im Gegenzug schoss Laurant Meunier an die Latte und Schiri Brüggemann schaute sich das noch einmal genau auf dem Video an, wie auch die nächste Szene die wieder den Gästen gehörte. Straubing befand sich in doppelter Unterzahl und zusätzlich verlor auch noch Meunier seinen Schläger, als ein Schuss von Mulock an den Innenpfosten ging. Dies war allerdings der einzige Schuss in 79 Sekunden bei doppelter Überzahl den der Spitzenreiter auf das Tor von Barry Brust brachte. Die Tigers kämpften wie Musketiere in dieser Phase und blockten jeglichen Schussversuch. Den Berlinern stand die Verzweiflung zu dieser Zeit ins Gesicht geschrieben. Die nächste Überzahlmöglichkeit ergab sich dann auf der anderen Seite bei der Calvin Elfring aus aussichtsreicher Position an Zepp scheiterte. Der nächste Lattentreffer war Darin Olver vorbehalten, als er allein vor Brust den Ausgleich auf dem Schläger hatte. Kurz vor Ende des zweiten Drittels musste Barry Brust noch einmal Kopf und Kragen riskieren, als er aus seinem Tor stürmte und nur eine Zehntelsekunde schneller vor dem herannahenden Hördler und dem Nachschuss von Tallackson retten konnte. Obwohl in den zweiten zwanzig Minuten kein Tor fiel mussten die Fans beider Lager mehrmals die Luft anhalten und für schwache Nerven war das schon länge nichts mehr.

 

Tigers am Ende zu unkonzentriert

Berlin´s Torwart Robert Zepp hat den Puck vor sich - © by ISPFD (sportfotocenter.de)

Im letzten Abschnitt konnten auf Seiten der Hausherren Ondruschka und bei den Gästen Busch und Baxmann wegen Verletzungen nicht mehr mitwirken. Don Jackson sagte nach dem Spiel über den Schiedsrichter: “Wir haben heute wieder zwei Spieler verloren durch Stockschlag und Gehirnerschütterung. Ich habe nichts gegen hartes Eishockey, aber diese Fouls werden nicht gepfiffen und das kann ich nicht verstehen.” Lars Brüggemann, früher selbst DEL-Spieler, ließ den Teams eine gewisse Freiheit und diese wurde auch bis zur Grenze ausgetestet, wobei das Spiel zu keiner Zeit unfair war. Was den Tigers heute zum Sieg fehlte war die letzte Entschlossenheit. Zuerst vergab Stewart in Überzahl und danach hatten Whitecotton und Schönberger eine Doppelchance die Führung weiter auszubauen. Aber wie es so oft ist im Sport, wenn man die Tore nicht selber schießt, bekommt man sie irgendwann hinten rein. In der 53. Minute war es dann so weit. Zuerst konnte Brust noch einen abgefälschten Schuss über das Tor lenken, aber der Puck kam postwendend zurück direkt auf den Schläger von Sven Felski und der hatte keine Mühe mehr die Scheibe über die Linie zu drücken. Nur drei Minuten später bekamen die Tigers durch eine erneute Strafzeit der Gäste die Möglichkeit wieder in Führung zu gehen. Dan Ratushny zur Auszeit die er in dieser Phase des Spiels nutzte: “Ich wollte meinem Team noch einmal die Gelegenheit geben durchzuatmen, da die Special-Teams kurz zuvor zwei lange Wechsel hatten.” Auf einmal brannte es lichterloh, aber nicht in der Berliner Zone sondern bei den Tigers, obwohl diese einen Mann mehr auf dem Eis hatten. Dann wurde bei einem harmlosen Gegenangriff das Geschenk des Tages verteilt und zwar an die Gäste. Keiner in der Abwehr fühlte sich für Sven Felski zuständig und dieser alte Fuchs ließ sich nicht lange bitten und leitete den Angriff ein, den dann Julian Talbot dankend zum Siegtreffer für die Berliner verwerten konnte. Ratushny versuchte in der Schlussphase noch mal alles und nahm Brust für einen sechsten Feldspieler vom Eis. Aber nur noch Laurant Meunier hatte eine hochkarätige Chance. So wurde es nichts mehr mit den Punkten

 

Stimmen zum Spiel:
Karl Stewart der ebenfalls einen harten aber fairen Check von Felski einstecken musste: “Ich denke der Schiri von heute ist der Beste der Liga, das meine ich ernst. Es war heute ein hartes Spiel und hatte hohes Tempo für beide Teams. Wir hätten mehr Punkte an diesem Wochenende machen müssen, da Mannheim und Berlin an ihre Wahre Leistungsgrenze nicht herangekommen sind.”
Daniel Sparre: “Ich denke auch, dass der Schiedsrichter von heute der Beste der Liga ist. Es hat uns in den letzten Minuten die mentale Stärke gefehlt um zu Gewinnen. Wir hätten heute mehr aus unserem Powerplay machen müssen.”

 

Trainerstimmen nach dem Spiel

 

Straubing Tigers – Eisbären Berlin: 1:2 (1:0, 0:0, 0:2)

Tore:1:0 (4:17) Daoust (Hundhammer) PP1, 1:1 (52:59) Felski (Weiß), 1:2 (55:21) Talbot (Hördler, Felski) SH1

Strafen: 6 – 10 + 10 Disziplinarstrafe für Olver

Schiedsrichter: HSR Brüggemann – LSR Höck, Kretschmer

Zuschauer: 5777

 

Aufstellung:
Straubing Tigers: Brust – Ondruschka,, Bakos; Canzanello, St. Jacques; Dotzler, Osterloh; Elfring – Stewart, Hussey, Röthke; Ramsay, Meunier, Daoust; Sparre, Whitecotton, Schönberger; Hundhammer; Keil, Brückner
Eisbären Berlin: Zepp – Angell, Supis; Regehr, Hördler; Sharrow, Baxmann – Sim, Felski, Mulock Ty., Mulock Tr., Talbot, Braun L., Tallackson, Olver, Busch; Schlenker, Weiß

 

Three Stars:

*** Meunier (STR)
** Hördler (BER)
* Brust (STR)

 

XXL Fotostrecke zum Spiel

Jan Guryca

Bild 1 von 41

© by Eishockey-Magazin

 



Archivfotos zum Thema:

1 Kommentar zu “1:2! Tigers verschenken Sieg in einem spannenden und hochklassigen Spiel – Berlin geduldig und clever”

  1. Jaschin828 sagt:

    Korrekturen:

    1-0 nicht Daoust sondern D.Sparre (A: Daoust/Ramsay)
    1-1 nicht Felski sondern D.Weiß (A: Felski/Sim)

    siehe auch Del.TV.org

Kommentare

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