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Köln. (HHK) Es ist heute, mehr als zwanzig Jahre nach dem Wegfall des sog. „Eisernen Vorhangs, kaum vorstellbar, wie schwer, ja...

Justin Denisiuk mit der 86ér Meistertrophäe – © by privat

Köln. (HHK) Es ist heute, mehr als zwanzig Jahre nach dem Wegfall des sog. „Eisernen Vorhangs, kaum vorstellbar, wie schwer, ja nahezu unmöglich, ein Wechsel von Ost- nach Westeuropa in den 80er Jahren war, auch für einen Leistungssportler. Wenn es ein Sportler geschafft hatte, in den Westen zu wechseln, musste er eine mindestens 18monatige Sperre in Kauf nehmen. Eine nicht einfache Situation, vor allem dann, wenn man keine Kontakte in der neuen Umgebung hatte.

 

Es gab aber dennoch immer wieder Athleten, die diesen Weg gingen. Zwei davon war die jungen polnischen Eishockeyspieler Justin Denisiuk und Boguslaw „Bobby“ Maj.  Im November 1981 waren sie mit der polnischen Nationalmannschaft erstmals in Deutschland, spielten dort in Rosenheim gegen die deutsche Nationalmannschaft. In der standen u.a. die Gebrüder Hiemer, Gerd Truntschka und Holger Meitinger vom KEC. Es war der erste Kontakt der beiden jungen Polen mit ihrer späteren Heimat. Im Frühjahr nahmen sie an der B-WM in Klagenfurt teil und setzten sich von ihrem Team ab. Ein halbes Jahr blieben sie in Österreich, dann wechselten sie nach Deutschland zum EV Füssen. Der spielte damals seine letzte Saison in der 1. Bundesliga und wurde trainiert von Gerhard Kießling.

 

Der kannte die Beiden gut, hatte er sie doch bei den oben genannten Länderspielen gesehen. Ein Jahr blieben Denisuk und Maj in Füssen, dann wechselten sie mit Gerhard Kie0ling nach Iserlohn. Spielen durften sie in der Zeit nicht, noch galt die lange Sperre. Als Gerhard Kießling in Iserlohn freigestellt wurde, vermittelte sie der ehemalige Kölner Meistercoach zu den Haien. „Er hat uns top vorbereitet auf das Probetraining in Köln“, sagt Denisiuk heute. „Es hat alles bestens geklappt. Bobby hat vorne gezockt und ich konnte hinten ein paar gute Checks setzten. Die Verantwortlichen des KEC, Trainer Joschi Golnka, Präsident Heinz Landen und Schatz6meister Clemens J. Vedder waren beeindruckt und gaben den Beiden Drei-Jahres-Verträge.

 

Am 28. September 1984 konnte Justin Denisiuk endlich wieder Eishockey spielen. Gegen den SC Rießersee gewann er mit den Haien 3:0. Es war seinerzeit nicht leicht, in der mit Stars besetzten Mannschaft einen Stammplatz zu bekommen. Trainer Golonka ließ überwiegend mit fünf Verteidigern spielen, einer davon war Udo Kießling, der nicht selten weit mehr als 40 Minuten auf dem Eis stand.  Aber irgendwann gelang der Durchbruch und im Januar 1985 konnte Justin Denisiuk seine ersten persönlichen Erfolgserlebnisse verzeichnen. Ausgerechnet in Iserlohn schoss er sein erstes Bundesligator, und in den folgenden vier Spielen traf er weitere dreimal.

Justin Denisiuk und Betreuer Lothar Zimmer – © by privat

 

Am Ende der Saison schied Golonka aus, mit dem es – wie Denisiuk heute sagt – „nie richtig gepasst“ hatte. Es folgten die „Goldenen Jahre“ mit dem neuen Trainer Hardy Nilsson. Am Anfang der Saison 85/86 stand die Europapokalendrunde in Megève, bei der die Haie hinter dem unschlagbaren Team von CSKA Moskau den zweiten Platz belegten. Es folgten zwei großartige Bundesligajahre mit den Meisterschaften 1986 und 1987. Unvergessen für Denisuk ist vor allem die Finalserie 1985 gegen die DEG, als es den Haien gelang, zweimal einen klaren Rückstand in den beiden ersten Finalspielen wettzumachen. „Die Kabinenansprache von Hardy in Düsseldorf beim Stand von 1:5 werde ich nie vergessen. Wir haben das Spiel dann noch 6:5 gewonnen und ich war bei einigen unserer Tore auf dem Eis.“

 

Ein Jahr später verteidigten die Haie den Titel in einer imponierenden Playoffserie. Für Justin Denisuk war damit die Zeit in Köln vorbei: „Wir konnten uns nicht auf einen neuen Vertrag einigen“. In den folgenden Jahren hießen die Stationen Frankfurt, München, Schwenningen und schließlich in den unteren Ligen Wolfsburg und Timmendorf.

 

Ein besonderes Erlebnis hatte Denisiuk 1985, als er Verwandte in Chicago besuchte. Zu dieser Zeit bestritten die Edmonton Oilers eine Playoffserie gegen die Black Hawks und Denisiuk erhielt die Möglichkeit, ein paar Mal mit den Oilers zu trainieren – mit Wayne Gretzky, Mark Messier Jari Kurri und weiteren Topspielern. Den Kontakt hatte Paul Messier hergestellt, den Denisiuk aus seiner kurzen Iserlohner Zeit kannte.

 

Als sich nach dem Ende der sportlichen Karriere die Frage stellte, wo das Ehepaar Denisuk künftig leben wollte, war die Antwort leicht. „In Köln hatte es mir immer am besten gefallen, ich mochte die Stadt und die Menschen.“ Man zog dann 1997 nicht direkt nach Köln, sondern ins nahe Kerpen.

 

Mit dem KEC bzw. dessen Nachwuchsmannschaften kam Denisiuk erst einige Jahre später wieder in Kontakt, als sein Sohn Nick (2002 geboren) in die Eislaufschule ging. „Ich war zunächst als Betreuer dabei und erst später als Trainer. Es macht Spaß, mit den Kindern zu arbeiten, sie zu entwickeln und die eigenen Erfahrungen weiterzugeben.“ Inzwischen gehört er fest zum Trainerteam des KEC-Nachwuchses und trainiert das Kleinschülerteam. Demnächst wird er die C-Lizenz erwerben, In der kommenden Sommerpause wird er die letzte Prüfung absolvieren.

Justin Denisiuk heute – © by privat

 

Aktiv wird er beim Jubiläumsspiel auf dem Eis stehen, dafür trainiert er intensiv und holt sich Kondition auf dem Fahrrad.

 

 

 

 

 

 

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