Augsburg. Der Titel der letztjährigen Saisonvorschau lautete „Augsburger Panther wollen auf solider Basis weiter nach oben“. Dieses Ziel wurde mit dem überraschenden Vizemeistertitel geradezu überfüllt. Haken dran und sich aktuellen Herausforderungen stellen. So lautet das Motto der Panther-Führung. Diese sporthistorische Phrase trifft für einen Budget-Außenseiter, wie es die Bayern nun mal sind, im besonderen Maße zu. Es wird aufgrund vieler Änderungen im Kader genau wie im Umfeld der Fuggerstädter eine schwierige DEL Saison 2010/11.
War der Sommer 2009 einer der ruhigsten, den die Verantwortlichen und Fans der Panther seit langem hatten, war der Sommer 2010 das genaue Gegenteil. Bereits in die euphorische, dreitägige (!!!) Feier zur Vizemeisterschaft inkl. Empfang beim Augsburger Oberbürgermeister, mischte sich etwas Wehmut. Eine Vielzahl der frenetisch gefeierten Spieler hatte bereits bei anderen Vereinen Verträge unterschrieben bzw. wurde gerüchteweise bei DEL-Konkurrenten gehandelt. Und letztendlich war es irgendwie ein Abschied vom altehrwürdigen Curt-Frenzel-Stadien, der „Hölle des Südens“, dessen Sanierung bereits unmittelbar nach der entscheidenden Finalniederlage begonnen hatte.
Eine Menge Arbeit für alle Beteiligten also, kaum dass die Spieler die verschwitzte Ausrüstung ausgezogen hatten. Die Saison selbst war ungewohnt lang und ließ die Sommerpause geradezu in ihrer Dauer zusammenschmelzen. Die Mannschaft musste insgesamt 15 Spielerabgänge verkraften. Darunter allein zehn Spieler der elf besten Scorer aus der teaminternen Statistik. In Punkten gesprochen macht das 156 Tore, 274 Assists und 430 Gesamtpunkte!!! Nur Top-Scorer Darin Olver konnte Dank einer Vertragsoption gehalten werden. Aus diesem Grund weilte Erfolgscoach Larry Mitchell bereits unmittelbar nach dem letzten Spiel gegen die Hannover Scorpions in Nordamerika, um in gewohnter Manier erfolgshungrige Spieler zu sichten und bei Eignung zu verpflichten.

Panthercoach Larry Mitchell ist sich sicher wieder eine schlagkräftige Mannschaft gebaut zu haben. - © by ISPFD (sportfotocenter.de)
Er konnte damit seinen größten Erfolg als Trainer nicht auskosten, geschweige mit der eigenen Anhängerschaft auf den Erfolg anstoßen. Dass er mit dieser Maßnahme jedoch den Markt richtig einschätzte, zeigte die Tatsache, dass Vollzugsmeldungen in Sachen Spielerverpflichtungen sehr lange auf sich warten ließen.
Die Anhänger äußerten im Fan-Forum scharenweise Trauer um die Verluste, die wachsende Ungeduld und die ein oder andere schlimme Befürchtung über die Kaderqualität. Nichtsdestotrotz begleiteten jeweils mehr als 700 Panther-Fans das Team zu den ersten Vorbereitungsspielen in München und Kaufbeuren Die Euphorie ist, neben einer gehörigen Portion Neugier auf das neue Personal, trotz aller Unzulänglichkeiten enorm groß. Genauso groß, wie das Vertrauen in die Rekrutierungsfähigkeiten von Larry Mitchell. Dazu scheint es tatsächlich wiederum begründeten Anlass zu geben.
Kader:
Im Tor setzen die Panther auf Bewährtes – und somit auf das rein deutsche Torhüter-Gespann Dennis Endras und Leo Conti. Kann Dennis Endras die gezeigten Leistungen aus den letztjährigen Playoffs und der Weltmeisterschaft, die er als wertvollster Spieler abschloss, kompensieren? Wenn ja, haben die Panther einen der stärksten Torhüter der Liga. Diesen werden sie aufgrund der noch zusammenwachsenden Mannschaft und einer Serie von Auswärtsspielen zu Beginn auch benötigen. Die Erwartungen an ihn sind naturgemäß gestiegen und die nun greifbare Option auf die NHL, erhöht zusätzlich den Druck. Mit diesem Druck muss auch ein meist in sich ruhender Dennis Endras erst mal umgehen können. Schafft er dies, wird sein Konkurrent Leo Conti, kaum mehr Spiele als in der letzten Saison bekommen. Schafft er es nicht, wird es für das Team schwer die gesetzten Ziele zu erreichen. Zu entscheidend ist im Eishockey die Torhüterposition.

Auf Keeper Dennis Endras, hier im Duell gegen Nürnbergs Vitalij Aab, ruhen erneut große Hoffnungen. - © by ISPFD (sportfotocenter.de)
In der Abwehr steckt trotz der Abgänge von Likens, Kemp und Chartier und trotz positiver Entwicklung fast aller deutschen Verteidiger – besonders Kettemer und Kohl – noch Optimierungspotential. Mit 188 Gegentoren musste man letztes Jahr eindeutig zu viele Treffer „schlucken“. Davon alleine 61 bei eigener Überzahl. Schlechter war nur Straubing. Die deutschen Verteidiger konnten alle gehalten werden und künftig durch körperlich robustere Kontingentspieler wie Jonathan D’Aversa und Namensvetter Jonathan Paiement unterstützt. Beide zeigten bereits in den bisherigen Spielen ein sehr gutes Körperspiel und ein starkes Spiel an der blauen Linie. Der dritte neue Verteidiger Justin Fletcher spielt etwas ruhiger und körperloser und war deshalb in den Vorbereitungsspielen nicht so auffällig.
Zeigen muss sich, ob sich diese Ergänzungen positiv auf das verbesserungswürdige Unterzahlspiel auswirken. Davon ist nach bisherigen Beobachtungen jedoch auszugehen, da trotz vieler Abstimmungsfehler in einem stark umgebauten Team die Quote ganz vorzeigbar ist. Gelegenheit in Unterzahl zu spielen gab es in der Vorbereitung jedenfalls genug.
Auch die Stürmer sind ein wichtiger Teil des Unterzahlspiels und tragen somit eine entsprechende Verantwortung für die genannte Schwachstelle. Ihre Arbeit in der Offensive konnte man letzte Saison kaum kritisieren. Schließlich stellte man in der regulären Saison den drittbesten Sturm der Liga. Ein dickes Pfund für die aktuellen Offensivverpflichtungen.

Topscorer Darin Olver bleibt den Panthern auch in dieser Saison erhalten. - © by Raphael Stückner, Eishockey-Magazin
In der Vorbereitung setzte der „letzte Mohikaner“ und Topscorer Darin Olver fort, wo er zuletzt aufgehört hatte. Sein Zusammenspiel mit den Neuzugängen Noah Clark und Barry Tallackson war in Ansätzen bereits sehr schön anzusehen. Für die sogenannten Sturmblöcke 2 und 3 müssen Larry Mitchell und Duane Moeser noch die beste Mischung finden. Dafür in Frage kommen die weiteren Neuzugänge Nathan Smith, der inzwischen eingedeutschte Jeffrey Szwez, Kyle Wanvig, Gran Stevenson, Sean Bentivoglio und Mike Radja, wobei hier die drei letztgenannten sicher spielerisch bisher am auffälligsten agierten. Hier bleiben also noch einige Fragezeichen. Der vierte Sturm dagegen scheint mit Austin Wycisk, Florian Schnitzer und Michael Fröhlich ihre Vorgänger um Publikumsliebling Ulli Maurer schnell vergessen lassen wollen.
Gesamtausblick:
Die Panther haben ihre Hausaufgaben gemacht, selbst wenn diese erst kurz vor Trainingsstart beendet wurden. Nimmt man die ersten beiden Vorbereitungsspiele gegen den EHC München, Rapperswil-Jona Lakers und die Vorbereitungsturniere in Kaufbeuren und Straubing lässt sich noch kein manifestierbares Urteil bilden. Auffällig ist jedoch, dass das Team insgesamt körperlicher agiert und wenn man die Strafzeiten betrachtet auch aggressiver geworden ist. Zudem darf man die Panther wohl erst mit dem Schlusspfiff aus den Augen lassen. Ist das neue Team – entsprechend der Larry Mitchells bekannter Philosophie von Speed-Hockey – auch noch schnell auf den Beinen, könnte tatsächlich eines der wenigen Mankos aus der letzten Saison behoben worden sein. Insgesamt sind die Panther ihrer Linie treu geblieben, entwicklungsfähige und –willige Spieler zu verpflichten. Die Fans werden sicherlich verzeihen, wenn das Team weniger Tore schießt, wenn im Gegenzug der Puck auch weniger oft in den eigenen Maschen zappelt. Erfolgreich kann man so auch sein. Ungeklärt ist aktuell die Position des Kapitäns. Ein waschechter Oldie, wie Ex-Kapitän Steve Junker, der sich fast schon alleine für diese Rolle anbot, fehlt im diesjährigen Kader. Aber auch das muss kein Nachteil sein.
Minimalziel der Panther ist wiederum Platz 10 und die Teilnahme an den Pre-Playoffs. Das sollte zu schaffen sein.
Der Rest bleibt wie in jedem Jahr Glaskugellesen: Wie gut werden die anderen Mannschaften dazu im Vergleich sein? Plus einer Vielzahl weiterer Unbekannte, wie Verletzungen oder frühzeitige Angebote der Konkurrenz an die sich sicher bald herauskristallisierenden Leistungsträger, während des Saisonverlaufes.
Wirtschaftlich wird man sicherlich – auch nach Abzug der Prämien, zusätzlichen Miet- und Reisekosten – schwarze Zahlen in der Erfolgssaison geschrieben haben. Da zudem einige Sponsoren und Partner ihre Unterstützung weiter – teilweise mit erhöhtem Umfang – zugesagt haben, sieht es finanziell wohl ganz gut aus. Das ist jedoch auch bitter nötig, da der Zuschauerschnitt überhaupt nur schwer zu halten, geschweige denn zu übertreffen sein wird. Erst zu Beginn des Oktobers werden die Panther das erste Spiel vor heimischer Kulisse, im dann teilsanierten Curt-Frenzel-Stadion, austragen können. Zu allem Überfluss werden bis in den Dezember hinein zunächst nur 2700 Fans den Spielen beiwohnen dürfen, bevor die Kapazität auf etwas mehr als 4000 Zuschauer aufgestockt wird. Kleines Trostpflaster: Das „Ausverkauft“ wird damit zumindest öfter als bisher an den Kassenhäuschen hängen. Jedoch bleibt bei einem ggf. schlechten Saisonstart mit acht aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen u.U. die Euphorie des Vizemeister-Titels wie ein kalter Kadaver auf der Straße liegen. Leider nicht zu ändern, will man die Vorgaben der DEL und damit dem Verbleib der Panther in der deutschen Eliteliga sicherstellen.
Fehlen wird bei all diesen Herausforderungen „mein persönlicher Held der Arbeit“ (Zitat von Hauptgesellschafter Lothar Sigl während des Rathausempfanges) und der „Held der Vizemeisterfeierlichkeiten“ Max Fedra. Er ist erkrankt und fällt wohl länger aus. Gute Besserung an dieser Stelle.
(Manfred Spatz)


