Iserlohn. Eigentlich war die vergangene Saison für die Roosters wie fast immer. Die Playoffs wurden in der Endabrechnung hauchdünn verpasst. Es folgte der traditionell ruhige Sommer und dennoch mussten die Fans im Juni auf der Jahreshauptversammlung tief durchatmen. Erstmals fuhr die Roosters GmbH ein Minus ein. Fast zwangsläufig litt auch der Stammverein (Iserlohner EC) mit. Insgesamt (GmbH und Verein) stand ein Minus von rund einer Viertelmillion zu Buche. Für Iserlohner Verhältnisse nicht gerade wenig.

Folgerichtig kündigte Klubboss Wolfgang Brück an, dass in der neuen Saison alles den finanziellen Zwängen unterzuordnen ist. Dementsprechend agierte man auf dem Transfermarkt lange Zeit eher defensiv. Das nun neu formierte Team soll vor allem charakterstark sein, kämpferisch überzeugen und die Fans mit seiner leidenschaftlichen Spielweise ins Stadion locken. Eigenschaften, die in der letzten Saison von vielen Fans vermisst wurden.

Eine Veränderung gibt es im Tor der Roosters. Dany Aus den Birken genießt weiterhin das Vertrauen des bewährten Trainergespanns Uli Liebsch / Bernd Haake. Neu verpflichtet wurde aus Bietigheim Sinisa „Silo“ Martinovic (29), der in Iserlohn endlich beweisen will, dass er sehr wohl auch in der DEL ein guter Schlussmann ist. Ergänzt wird das Duo durch die Förderlizenz vom jungen Hammer Young Star Tim Siekmann. Drängt sich Martinovic für mehr Einsätze auf, als in der vergangenen Saison sein Vorgänger Stefaniszin, dann könnte die Mischung im Torhütergespann und damit auch die Konstanz bei Aus den Birken stimmen.

Sinisa Martinovic kommt vom Zweitligisten Bietigheim zu den Roosters. - © by Eishockey-Magazin

In der Abwehr blieben etwas überraschend fünf Defender an Bord. Der schussstarke Jon Insana (Vertrag bis 2012), der manchmal zu einem „Bruder Leichtfuß“ neigende Mark Ardelan (Vertrag bis 2012), Dauerbrenner Collin Danielsmeier, Spätstarter Adrian Veideman und der steigerungsfähige Stefan Langwieder (Vertrag bis 2012) behielten ihren Platz im Team. Neu verpflichtet wurde Rückkehrer Lasse Kopitz von den Frankfurt Lions und vom ERC Ingolstadt Prestin Ryan. Ryan ersetzt David Walker, der nach einem Tryout nicht weiter verpflichtet wurde. Kann der Ex-Ingolstädter an seine bislang in der DEL gezeigten Leistungen anknüpfen, dann haben die Roosters zumindest einen defensivstarken Mann geholt. Sollte Lasse Kopitz verletzungsfrei bleiben und zu altbekannter Stärke zurückfinden, dann ist auch er ein ganz wichtiger Faktor im Iserlohner Abwehrverbund. Der talentierte Dieter Orendorz soll langsam an die DEL herangeführt werden und verfügt ebenfalls über einen langfristigen Dreijahresvertrag. Er kann auch per Förderlizenz beim Oberligisten Hamm eingesetzt werden.  Stimmt die Einstellung, dann sollte zumindest ein starker Defensivverbund existieren. Ob die Defensivkünstler auch offensiv und hierbei insbesondere im Powerplay Akzente setzen können bleibt abzuwarten. Zumindest haben die Roosters gegenüber den Vorjahren nun von Beginn an die erforderliche Tiefe im Abwehrbereich.

In der Abteilung Attacke bleiben neben dem kongenialen Duo Michael Wolf (Vertrag bis 2012) / Robert Hock (optional bis 2013) auch der talentierte Wirbelwind Kris Sparre, der unermüdliche Jeff Giuliano (bis 2012), die Arbeitsbienen Jimmy Roy und Christian Hommel, sowie der ehemalige Kapitän der deutschen U-20 Steven Rupprich.

Über Frankfurt und Ingolstadt zurück am Seilersee: Pat Kavanagh. - © by Jan Brüggemann, Eishockey-Magazin

Neu verpflichtet wurde vom Ligarivalen DEG Metro Stars Stürmer Shane Joseph. Er muss noch mindestens eine Schippe gegenüber den Testspielen drauflegen, wenn er überzeugen will. Vor allem das fehlende Durchsetzungsvermögen stieß in der Pre-Season einigen Fans schon sauer auf. Vom ERC Ingolstadt kehrt Pat Kavanagh nach zwei Jahren zurück an den Seilersee. Auch er konnte in der Vorbereitung noch nicht überzeugen. Kann er an seine alten (Scorer)Qualitäten anknüpfen, dann ist er eine klare Verstärkung. Ähnliches gilt natürlich auch für Joseph, wenn er an seine Qualitäten aus Augsburger Zeiten anknüpfen kann. Gut eingefügt hatte sich in der Vorbereitung Tobias Wörle, der an der Seite von Hock und Wolf schon beachtlich gut harmonierte. Der junge Daniel Oppolzer (Vertrag bis 2013) gilt als Investition für die Zukunft. Er hatte Pech, als er sich gleich zu Beginn der Vorbereitung eine schwere Kieferverletzung im Training zuzog. Beim LGS Cup konnte er aber durchaus gefallen.

Kurz vor Saisonbeginn kam mit dem 27-jährigen Kanadier Cam Paddock (27) der lang ersehnte Stürmer zum Team dazu. Paddock kann rein statistisch nicht unbedingt als „Granate“ bezeichnet werden. Allerdings scheint er körperlich sehr präsent zu sein. Genau das, was das neue Team der Roosters ausmachen soll.

Der zuletzt in Nürnberg aktive Henry Martens (23) und Joel Keussen (19) gehören ebenfalls zum Kader. Während Martens sich über die ersten Trainingseinheiten Ende Juli im benachbarten Unna empfehlen konnte und nun mit einer Förderlizenz in Dresden spielt, kam Keussen vom Ligarivalen Krefeld kurzfristig zum Seilersee. Er wird voraussichtlich beim ewigen Rivalen Moskitos Essen in der Oberliga per Förderlizenz Spielpraxis sammeln.

Betrachtet man den neuen Kader und die Ergebnisse der Testspiele, dann ist das Ziel Platz zehn schon sehr hoch gesteckt. Allerdings wurden die letzten Neuzugänge wie Prestin Ryan und Cam Paddock erst eine Woche vor dem Saisonstart verpflichtet. Sie könnten noch einmal für Veränderungen in den bisherigen Formationen sorgen. Vor allem im Angriff ist noch viel Luft nach oben, wie nicht zuletzt auch die peinliche 4:7 Pleite beim Zweitligisten Hannover Indians gezeigt hat. Ob Ryan und Paddock schon direkt zum Saisonstart den erhofften Schub geben können bleibt abzuwarten.

Manager Karsten Mende (links) und Trainer Uli Liebsch tragen die sportliche Verantwortung bei den Roosters. - © by Foto Heischab

Im Gegensatz zu den letzten Jahren besitzen die Rooste

rs von Beginn an eine größere Tiefe im Kader. Bleibt das Team von größeren Verletzungen verschont, soll es keine weiteren Verpflichtungen geben. Auch, weil man ein ganz besonderes Augenmerk auf die Finanzen legen muss. In jedem Fall sollte die Mannschaft konkurrenzfähig genug sein, um in

den Kampf um Platz zehn eingreifen zu können. Der Kreis der Konkurrenten dürfte aber größer geworden sein. Die Konkurrenz aus Straubing hat aufgerüstet und Teams wie Hamburg, Krefeld oder Köln scheinen ebenfalls kompakter aufgestellt zu sein, als in der vergangenen Saison.

Hilfreich soll in Iserlohn auch ein stärkeres „Wir Gefühl“ zwischen Team und Fans sein. Das zuletzt etwas vernachlässigte Publikum soll durch gezielte Aktionen wieder mehr Nestwärme spüren. Die Verantwortlichen haben das Feld bestellt. Nun sind Trainer und Spieler in der Pflicht die angekündigten Tugenden auf dem Eis umzusetzen. Springt der Funke auf das Publikum über, dann sind zumindest in der Doppelrunde wieder mehr Highlights mit Hexenkesselstimmung möglich, als in der insgesamt zu emotionslosen letzten Saison.

Sollte den Roosters zum zweiten Mal in ihrer DEL Zugehörigkeit eine Playoff-Teilnahme gelingen, dann ist sicherlich vieles möglich. Die nötige Kadertiefe von Saisonbeginn an wäre dann in jedem Fall sehr hilfreich. Das sportliche Ziel dürfte allerdings, auch aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit, schwieriger zu erreichen sein, als das wirtschaftliche.

Die neuen Gesichter der Roosters


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