Nürnberg. Chaos in Kassel, Probleme in Köln und Hannover, das Aus in Frankfurt. Im Sommer ging es in der DEL drunter und drüber.

Gerade zu unspektakulär, ja fast langweilig verlief die eishockeyfreie Zeit für die Anhänger der Thomas Sabo Ice Tigers. Wirtschaftlich geht es bei den Franken weiter aufwärts. Dank Thomas Sabo ist der Verein solide aufgestellt, es wird nur das Geld ausgegeben, das auch in den Kassen vorhanden ist. Für die DEL leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Das Produkt Eishockey ist in Nürnberg wieder salonfähig, zwei überregionale Sponsoren entschieden sich für ein Engagement bei den Ice Tigers und für den Fuhrpark konnte ein renommierter Partner gewonnen werden.

Auch sportlich soll in der neuen Saison wieder ein Schritt in die richtige Richtung gemacht werden. Bei einem unveränderten Etat für das spielende Personal kam es Manager Lorenz Funk sicher nicht ungelegen, dass er bei seinen Personalentscheidungen nicht durch bestehende Verträge beeinflusst worden ist.

So konnte Funk mit den meisten Wunschspielern zu neuen finanziellen Konditionen verlängern, einzig die Abgänge von Morten Ask und Florian Ondruschka schmerzen, Andre Savage beendete seine Karriere.

Im Tor setzen die Ice Tigers unverändert auf Patrick Ehelechner. Der gebürtige Rosenheimer spielte eine ganz starke Saison und hat sich nachhaltig bei Bundestrainer Uwe Krupp empfohlen.

Torhüter Sebastian Stefaniszin fand aus Iserlohn den Weg in die Noris. - © by ISPFD (sportfotocenterde)

Als neuen zweiten Torhüter verpflichteten die Ice Tigers Sebastian Stefaniszin von den Iserlohn Roosters. Der Draft-Pick der Anaheim Ducks (vierte Runde, Platz 98) stammt aus dem Nachwuchs der Eisbären Berlin und durchlief auch die Auswahlmannschaften des DEB, hatte in Iserlohn aber nach einem Disput mit den eigenen Anhängern einen schweren Stand. Für ihn ist Nürnberg die Chance für einen Neuanfang.

In der Abwehr fand der größte Umbruch bei den Ice Tigers statt. Einzig die beiden Routiniers Martin Ancicka und Rob Leask erhielten einen Vertrag für die neue Spielzeit.

Als dritter deutscher Verteidiger kommt mit Tim Schüle ein 19-jähriges Talent von den Wölfen Freiburg, der zum Stammpersonal der U-20 Nationalmannschaft des DEB zählte. Während der erste Anlauf in der DEL noch scheiterte (19 Spiele für Düsseldorf), ist man in Nürnberg überzeugt, dass sich Schüle in dieser Liga behaupten kann.

Neuland in der DEL betritt Fredrick Eriksson. Der 27-jährige Schwede spielte zuletzt in Malmö in der zweiten Liga und war Funk bei einer Scouting-Tour durch Skandinavien aufgefallen. Als gelernter Stürmer hat Eriksson seine Stärken in der Vorwärtsbewegung, zu dem soll er ein ausgezeichneter Schlittschuhläufer sein.

Mit Jeff Likens und T. J. Kemp verpflichtete Funk gleich zwei Akteure von Vizemeister Augsburg, die vor allem für deutlich mehr Gefahr von der blauen Linie und mehr Kreativität im Powerplay sorgen sollen. Gerade mit der Verpflichtung von Likens haben die Ice Tigers ihre Hintermannschaft qualitativ enorm aufgewertet. Da Funk sehr zeitig den Vertrag mit Likens unter Dach und Fach hatte, kann er sogar noch als Schnäppchen bezeichnet werden. Ein paar Monate später wäre er für Nürnberg wohl nicht mehr zu bezahlen zu gewesen.

Diese leidliche Erfahrung musste Funk bei Michel Periard machen. Nach dem Aus in Frankfurt sprach alles für eine Verpflichtung von Periard, ehe ein Angebot aus Mannheim die Hoffnung auf eine Rückkehr zu Nichte machte.

Als auch noch der bereits aus Krefeld verpflichtete Jim Fahey aus persönlichen Gründen um eine sofortige Vertragsauflösung bat, war man in Nürnberg noch einmal zum Handeln gezwungen. Mit Sean Blanchard aus Frankfurt kommt ein erfahrener DEL-Verteidiger nach Nürnberg, der seine Stärken im Körperspiel und in der Arbeit in der eigenen Zone hat.

Im Sturm verlängerten die Ice Tigers frühzeitig mit ihrer stärksten Formation der abgelaufenen Saison. Während Brad und Greg Leeb für ein weiteres Jahr in Nürnberg bleiben, unterschrieb Björn Barta für zwei Jahre in der Noris, ebenso wie Adrian Grygiel.

Neuzugang Ryan Bayda soll den Sturm der Ice Tigers beleben. - © by ISPFD (sportfotocenter.de

Mit Ryan Bayda und Clarke Wilm sind zwei Stürmer mit reichlich NHL-Erfahrung neu in Nürnberg. Für Bayda, dessen letzte Saison in der AHL aufgrund einer Knieverletzung früh beendet war, ist es die erste Saison in Europa, während Wilm seit 2006 in Europa aktiv ist. Nach Helsinki und Hamburg sind die Ice Tigers bereits die dritte Station nach seiner Zeit in Nordamerika. Kabinettstücke und atemberaubende Sprints sind von Wilm sicherlich nicht auf dem Eis zu erwarten, dafür bekommen die Franken einen echten Leader, der keinen Zweikampf scheut und der sich 60 Minuten für seine Mannschaft aufopfert. Mit fünf Skorerpunkten beim Vorbereitungs-Turnier in Straubing unterstrich Wilm aber auch, dass er jederzeit ein verlässlicher Skorer auf DEL-Niveau ist.

Bayda hatte in den ersten Spielen noch mit der Umstellung auf das Spiel in Deutschland zu kämpfen, deutete aber an, dass er die gewünschte Verstärkung sein kann. In der Vorbereitung agierte er an der Seite von Center Eric Chouinard, der im Sommer im Camp der New Jersey Devils noch vergeblich um einen Vertrag in Nordamerika kämpfte.

Mit Dusan Frosch fand Funk einen Ersatz für Petr Fical (Ingolstadt). Der flinke und technisch versierte Stürmer hatte mit 39 Punkten eine gute Spielzeit in Köln. Mit Alexander Oblinger (Dresden) sicherten sich die Ice Tigers noch ein Talent. Der gebürtige Augsburger machte in der 2. Bundesliga mit 13 Toren auf sich aufmerksam. Auch in der Vorbereitung überzeugte Oblinger mit Zug zum Tor und einem präzisen Schuss. Mit einer Körpergröße von 191 cm und fast 100 kg ist Oblinger auch schwer vom Puck zu trennen.

Mit Colin Beardsmore (Mannheim) und Vitalij Aab (Hamburg) kommen zwei Rückkehrer nach Nürnberg, die beide über langjährige Erfahrung in der DEL verfügen. Von Aab erhoffen sich die Ice Tigers die nötigen Tore, auch wenn der gebürtige Kasache auf dem Eis bisweilen etwas phlegmatisch wirkt. Beardsmore soll die vierte Reihe führen, stellt aber auch eine willkommene Alternative für die ersten drei Formationen dar.

Youngster Simon Fischhaber und Routinier Stefan Mann, der einen Probevertrag über drei Monate erhielt, runden den Angriff der Ice Tigers ab und verleihen dem Team die nötige Tiefe.

Manager Lorenz Funk hofft das Team in seiner zweiten Saison gezielt verstärkt zu haben. - © by ISPFD (sportfotocenter.de)

Die sportliche Leitung um Manager Lorenz Funk hat im Sommer einen guten Job gemacht. Auf dem Papier verfügen die Ice Tigers über einen Kader, der durchaus gehobenen DEL-Ansprüchen gerecht wird. Unter normalen Umständen ist ein Platz unter den ersten zehn Mannschaften nach der Vorrunde ein absolutes Muss, auch die direkte Qualifikation für die Play-offs wäre keine Überraschung.

Bleibt den Fans der Ice Tigers zu wünschen, dass die Spieler die gute Arbeit auf dem Eis fortsetzen. Mit dem nötigen Glück kann es eine lange Saison in Nürnberg werden.

(Stefan Müller)

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