Köln. Zum Liga-Start der Deutschen Eishockey Liga stand der Geschäftsführer der DEL, Gernot Tripcke, unserem Mitarbeiter Manfred Spatz für ein Telefoninterview zur Verfügung.
Eishockey-Magazin: Herr Tripcke, vielen Dank für Ihre Zeit. Sind Sie froh, dass es mit dem Start der DEL endlich die sportlichen Schlagzeilen überwiegen?
Gernot Tripcke: Ich freu mich natürlich sehr. Wir hatten diesen Sommer bekanntermaßen viel Unruhe, mussten uns gegen Angriffe aus Kassel wehren und die finanziellen Schwierigkeiten in Frankfurt hinnehmen. Es ist schade, dass Frankfurt dies nicht in den Griff bekam. Schade ist es natürlich auch für Fans und Spieler beider Teams. Aber es gilt nun nach vorne zu sehen.
Eishockey-Magazin: Sie sind selbst Jurist und kennen die Spielregeln. Wie sehr hat Sie diese Situation trotzdem oder gerade deswegen persönlich getroffen bzw. geärgert??
Gernot Tripcke: Das man rechtlich alles versucht ist das Eine und bleibt natürlich allen Personen unbenommen. Die DEL-Statuten wurden jedoch von allen Teams festgelegt und unterzeichnet. Da fragt man sich an einigen Stellen schon was man da durchstehen muss. Unschön für mich und den Aufsichtsrat waren die persönlichen Angriffe von Seiten der Kassel Huskies. Hier mit der Axt durchs Land zu ziehen ist unseres Erachtens unangebracht, zumal die Verantwortlichen in Kassel eigentlich ja das Ziel hatten, in der DEL zu spielen…
Ich glaube im Gegensatz zu geführten Diskussionen übrigens nicht, dass dieser Vorgang dem deutschen Eishockey – speziell nach dieser tollen Weltmeisterschaft – generell geschadet hat. Es gibt doch positive Aspekte: wir haben diesen Streit gewonnen und dabei sind die restlichten DEL-Mitglieder sehr viel enger zusammen gerückt.
Eishockey-Magazin: Warum hat man rückblickend so lange nichts Offizielles von Seiten der DEL gehört, während Herr Westhelle gefühlt fast ständig Pressemitteilungen veröffentlichte?
Gernot Tripcke: Es gehört sich nicht jeden Schriftsatz zu kommentieren, und wie geschehen, damit noch Verwirrung zu stiften. Die Öffentlichkeit war doch bereits genervt genug. Wir haben uns auf die Fakten reduziert und wollten nicht auf jedes Detail eingehen und jedes einzelne Wort mit drei Juristen abstimmen. Das kostet Zeit und Geld. Der Rest ist einfach nicht unser Stil.

Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL), nahm Stellung zu aktuellen Themen. - © by Media
Eishockey-Magazin: Herr Westhelle ist zurückgetreten. Ist das nicht verwunderlich, da er doch von seiner Strategie und dem Standort Kassel so überzeugt war.
Gernot Tripcke: Ich will nicht nachtreten. Der Insolvenzverwalter Herr Danko will es nun in Richtung 2. Liga drehen. Herr Westhelle hatte den Auftrag die Lizenz möglichst günstig zu sichern und damit das Arena-Projekt zu stützen. Ich denke nicht, dass er einen grundsätzlichen Groll gegenüber der DEL hegt.
Eishockey-Magazin: In einem Bericht des Hamburger Abendblattes werden Sie zitiert, dass Sie eine Liga mit 14 Teams als richtig bemessen sehen?
Gernot Tripcke: Nun, die ganze Situation ist für uns in der Zentrale natürlich schwierig. Jede Konstellation hätte Ihre eigene Diskussion bzgl. Spielmodus unter Umständen neu entfacht. Mit 14 gemeldeten Mannschaften sind das 52 Spiele – das sind nicht zu viel und nicht zu wenig. Natürlich gibt es bei unseren Mitgliedern hier unterschiedliche Interessen. Die einen hätten gerne mehr, die anderen gerne weniger Spiele. Mit 14 Vereinen gibt es weniger Spiele unter der Woche und man kann künftig darüber nachdenken die Play-Offs auszuweiten.
Eishockey-Magazin: Wären Kassel und Frankfurt nicht ausgeschieden, hätten Sie auch mit 16 Mitgliedern gespielt?
Gernot Tripcke: Ja, dann würde es jetzt einen Spielplan mit 16 Teams und 60 Spieltagen geben.
Eishockey-Magazin: Wäre Frankfurt nicht in finanzielle Nöte geraten. Hätte München dann eine echte Chance gehabt?
Gernot Tripcke: Ja, auf jeden Fall. München hat als Meister der 2. Liga, nach aktuellem Kooperationsvertrag, Aufstiegsrecht. Die Entscheidung pro München war bereits gefallen, bevor in Frankfurt definitiv klar war, dass dort keine Rettung möglich ist. Klar hat München die Übersendung einer Bürgschaft um einige Tage verfehlt. Das ist jedoch ein verhältnismäßig kleiner Makel.
Eishockey-Magazin: Blicken wir etwas auf die letzte Saison. Sieht man als Verantwortlicher der Liga so ein Final-Duell Augsburger Panther gegen Hannover Scorpions eigentlich neutral?
Gernot Tripcke: Ja, neutral würde ich sagen. So eine Finalpaarung hat Vor- und Nachteile. Es ist an sich ein Nachteil, wenn keine Mannschaften aus den Medienhochburgen im Finale stehen. Das merkt man dann sehr schnell am allgemeinen Interesse, auch am Interesse der Medien. Andererseits spricht es für die Ausgeglichenheit der Liga. Play-Offs im Eishockey haben eine besondere Würze. Jede Mannschaft kann etwas erreichen. Auch in der jüngeren Vergangenheit hatten wir Jahre in denen, mit Krefeld und Frankfurt, sogenannte Außenseiter „Deutscher Meister“ wurden. Das macht Spannung aus.
Eishockey-Magazin: Würden Sie eine Champions-League im Eishockey begrüßen?
Gernot Tripcke: Ja, natürlich, jedoch unter realistischen Bedingungen. Nicht wie einige Jahre zuvor. Eine vernünftige Dimension muss von der IIHF eingehalten werden. Es kann doch nicht sein, dass der Wettbewerb angeblich über Investoren für drei Jahre gesichert ist und dann ist schon nach dem ersten Jahr Schluss. Der Weltverband hatte drei Investoren, die über drei Jahre jeweils zehn Millionen Euro zu geben bereit waren. Das sind insgesamt 60 Millionen und dann ist plötzlich doch Schluss. So kurzfristig konnte man nicht mehr reagieren, um den Wettbewerb zu retten. Schade, insgesamt ist der Wettbewerb bei Medien, Fans und Teilnehmern gut angekommen.
Eishockey-Magazin: Wie bewerten Sie die European Trophy, die gerade mit den Eisbären Berlin einen Sieger aus der DEL fand?
Gernot Tripcke: Die European Trophy findet Widerhall, die DEL kann nicht nur mithalten, sondern sogar gewinnen. Insgesamt denke ich, und da knüpfe ich an meine vorhergehende Antwort zur Champions-League an, muss so ein europäischer Titel parallel zur Saison ausgetragen werden. Meine Wunschvorstellung wäre, da eine sportliche Qualifikation wichtig ist: die acht Meister aus den europäischen Topligen sind automatisch für die Champions-League qualifiziert. Das ist auch medial ein wichtiger Qualitätsaspekt. Die „großen“ Teams müssen einfach dabei sein, sie sind die Zugpferde. So ist es auch im Fußball. Die European Trophy könnte eine Art Qualifikationsturnier werden. Einen Top- bzw. Champions-League-Status hat sie heute einfach nicht. Dazu spielen zu wenige aktuelle Meister der teilnehmenden Nationen mit.
Eishockey-Magazin: In Deutschland gab es bis zur vorletzten Saison zusätzliche einen nationalen Pokalwettbewerb, den Deutschen Eishockey Pokal. Dieser wurde aufgrund des Termindrucks wegen Olympia 2010 abgeschafft. Ist geplant ihn wieder einzuführen oder war Olympia nur eine willkommene Ausrede diesen zu eleminieren?
Gernot Tripcke: Ich fand den Pokal gut und interessant. Klubs und Öffentlichkeit haben ihn bedauerlicherweise nicht gut angekommen. Außer während des Halbfinales und des Finales war das Interesse teilweise sehr gering. Das liefert natürlich keinen Mehrwert. Im Fußball ist dieser Wettbewerb viel etablierter und wird durch die entsprechende Medienpräsenz bereits ab der 1. Runde ganz anders wahrgenommen. Die Anzahl der Spiele ist zudem nicht unser Problem, Spiele haben wir genug. Unter diesen Umständen ist es besser diese Zeit beispielsweise für Maßnahmen der Nationalmannschaft zu nutzen. Das bringt dem deutschen Eishockey mehr.
Eishockey-Magazin: Zum Saisonstart die unvermeidliche Frage. Wer wird deutscher Meister?
Gernot Tripcke: Es wird für alle Teams schwerer. Ein hoher Etat ist noch keine Meisterschaftsgarantie. Und wie man letzte Saison gesehen hat, kommt man in die Playoffs, ist vieles möglich. Mannheim und Berlin haben was gut zu machen, der Anspruch ist da. Krefeld war in der Vorbereitung gut drauf. Hamburg ist sicher stärker, Köln und die DEG haben sich viel vorgenommen. Dann kommt es natürlich noch auf das Verletzungspech während der Saison an.
Wirtschaftlich ist es schwierig einzuschätzen, da viele Großstadt-Klubs mit sportlichen Problemen während der vergangenen Saison zu kämpfen haben. Resultat: Das schlägt sich, blickt man auf die DEL als Einheit, immer sofort auf die Gesamtzuschauer-Statistik nieder.
Wenn diese Mannschaften schlecht starten, wirkt sich das aus. Dazu sind die Zuschauerzahlen im September traditionell niedrig. Und schon werden ungerechtfertigterweise die aktuellen Septemberzahlen mit der gesamten Vorsaison verglichen. Dann hört man schnell etwas von Zuschauerkrise.
Eishockey-Magazin: Ist das ein Plädoyer für die Großstadt-Klubs?
Gernot Tripcke: Nein, das ist kein Plädoyer für die Großstädte. In Augsburg wird renoviert, da fallen einige Zuschauer aufgrund der zunächst geringeren zur Verfügung stehenden Kapazität weg. Iserlohn macht das super, Straubing macht einen guten Job und auch Ingolstadt tut einiges. Jedoch kann Augsburg oder Straubing noch so gut spielen, in der Gesamtstatistik fehlen eben trotzdem einige tausend Zuschauer.
Eishockey-Magazin: Es gab ja einigen Hick-Hack mit dem Umbau in Augsburg. Wie ist Ihr aktueller Stand?
Gernot Tripcke: Klub und Stadt informieren uns regelmäßig. Es gibt wohl etwas Verzug, jedoch nichts Dramatisches. Der Klub selbst hat den Nachteil, zunächst einen „Roadtrip“ hinter sich bringen zu müssen und ist, wie erwähnt, zunächst in der Zuschauerkapazität eingeschränkt. Umgekehrt hängt das „Ausverkauft“-Schild sicher öfter an den Verkaufsstellen. Wir freuen uns jedenfalls auf das neue „Schmuckkästchen“ Curt-Frenzel-Stadion in Augsburg.
(Manfred Spatz)



Hallo Herr Tripcke,
ist das der Neid der aus Ihnen spricht, weil nicht SIE (DEL) das Tunier mitorganisiert haben, sondern die Clubs. Ist es schlechte Kenntnis des europäischen Eishockeys, oder wie soll ich Ihren Satz: “Einen Top- bzw. Champions-League-Status hat sie heute einfach nicht. Dazu spielen zu wenige aktuelle Meister der teilnehmenden Nationen mit.” verstehen? von den 5 teilnehmenden Nationen spielten 3!!!!! Meister mit, nur der Deutsche und Tschechische fehlte. ABER: es spielten DIE europäischen TOP-Clubs und von 5 immerhin 3 Meister und ganz ehrlich (sportlich mag ich das noch nicht beurteilen) es ging um DIE großen Clubs, die die auch Zuschauer ziehen und da gibt es leider in D. nicht so viele, der aktuelle Meister schaffte es gerade mal auf 3000 Zuschauer beim 1. Heimspiel….
Die Trophy war der richtige Ansatz und jeder der die Möglichkeit hatte damals die CHL und nun die Trophy live zu sehen wird mir recht geben geiles, schnelles und hartes Eishockey auf TOP-NIVEAU gesehen zu haben. Da kann man auch mal auf den deutschen und den tschechischen Meister verzichten, auch weil die jeweiligen Vertreter gutes bis sehr gutes Eishockey geboten haben.
PRO Championsleague oder wie das Ding auch immer heissen wird, für mehr internationale Vergleiche!!!!!!
Um die Trophy in etwa auf Champions League Niveau heben zu können fehlt doch noch einiges! Dazu sollte es zumindest mal nicht als Vorbereitung vor der Saison, sondern während der laufenden Meisterschaften gespielt werden. Damit die Mannschaften “voll im Saft” stehen und man sich dann ein objektives Bild über die jeweiligen Leistungsstärken der Teams machen kann! In der jetzigen Form ist und bleibt es ein Jux Pokal dieses Turnier in und um Salzburg, da beißt die Maus keinen Faden ab!
MFG