Köln. Die erlösende Nachricht kam am 8. Juli und lautete: „Zukunft der Haie gesichert“. Mehr als drei Monate lang hatten die Fans der Haie um den Fortbestand ihres Teams gezittert – aber auch in bewundernswerter Art und Weise gekämpft. Die Geschäftsführer Thomas Eichin und Bernd Meikis arbeiteten rund um die Uhr an Sanierungsplänen, sprachen mit vielen potentiellen Helfern und fanden die Hilfe schließlich bei dem langjährigen Dauerkarteninhaber Jan Broer aus Koblenz. Das Vorstandsmitglied der CompuGroup Medical engagiert sich seither mit mehreren anderen Top-Managern des weltweit operierenden Software-Anbieters bei den Haien, deren Trikots in der kommenden Saison auf das Logo „CGM“ tragen werden.
Das Eingreifen der neuen Gesellschafter – die inzwischen auch die Anteile des langjährigen Gesellschafter Heinz-Hermann Göttsch, dessen Frau Margareta und des vor einem Jahr als Gesellschafter eingesprungenen Hans-Joachim Ziems übernommen haben, bedeutete den Startschuss für eine umfassendere Runderneuerung der in den beiden letzten Jahren sportlich enttäuschenden Haie. Zeitgleich gab die Haie GmbH bekannt, dass mit der Arena Management GmbH eine neue zukunftsträchtige Vereinbarung über die Nutzung der Lanxess Arena getroffen worden war.
Damit war der Weg frei für Manager (und in Personalunion auch Cheftrainer) Bill Stewart, ein neues Team nach seinen Wünschen zusammenzustellen. Seine erste personelle Maßnahme kam bei den Fans glänzend an: Philip Gogulla kehrte nach einem Jahr in der nordamerikanischen AHL und dem vergeblichen Versuch, in der NHL bei den Buffalo Sabres aus Anhieb Fuß zu fassen, nach Köln zurück. Er verstärkte damit die aus dem Vorjahr gebliebene „deutsche Fraktion“ um das Haie-Urgestein Mirko Lüdemann, den neuen Kapitän Christoph Ullmann, sowie Moritz Müller, Gerrit Fauser und Torsten Ankert. Auch Marcel Müller war bis Ende Juni fest eingeplant, doch dann entschied sich der Außenstürmer für den Wechsel in die NHL zu den Toronto Maple Leafs.
Von den Kontingentspielern der Saison 2009/10 werden in der kommenden Saison nur zwei das Haie-Trikot weiter tragen: Ivan Ciernik und Jason Jaspers. Fast täglich gaben die Haie ab Mitte Juni neue Namen des Spielerkaders 2010/11 bekannt:
- die Torhüter Adam Dennis und Björn Linda,
- die Verteidiger Ross Lupaschuk, Chris Lee, Mike Card und Johan Akerman,
- sowie die Stürmer Greg Classen, Ryan Ramsay, Cory Urquhart, Brett Breitkreuz, Daniel Sparre, James Sixsmith und Matt Pettinger.
Die Haie schöpfen das Kontingent von zehn Spielern bereits zu Saisonbeginn voll aus, von den genannten Spielern fallen Card, Classen, Breitkreuz und Sparre nicht in diese Gruppe, weil sie auch einen deutschen Pass besitzen.
Die talentierten U20-Nationalspieler Thomas Brandl, Norman Hauner und Marcel Ohmann gehören einstweilen nicht zum engeren DEL-Aufgebot, sondern sollen als Förderlizenzspieler beim Zweiligisten Bremerhaven Spielpraxis sammeln. Auch der von den Bremerhaven Pinguins geholte Torhüter Dusan Halolschan erhielt mittlerweile ein Förderlizenz für die Haie. Aus der DNL-Mannschaft der Haie stehen mit Torwart Sebastian Kinader, den Verteidigern Niko Opree und Maik Blankart, sowie Stürmer Dennis Palka vier weitere Talente unter Beobachtung der DEL-Organisation.

Nach einem Jahr Nordamerika zurück in Köln: Philip Gogulla. - © by Jan Brüggemann, Eishockey-Magazin
Stewart strebt einen Top-6-Platz an
Bill Stewart stellte seine Pläne zur neuen Saison ausführlich auf einer Pressekonferenz Mitte August vor (Eishockey-Magazin berichtete). Fazit: in drei Jahren will er die Haie wieder ganz nach oben führen („in das Finale mit Erfolgsaussichten“), davor hat als Saisonziel für 2010/11 einen Platz unter den ersten sechs Mannschaften und damit verbunden die Viertelfinalteilnahme ausgelobt.
Das Nahziel ist den Ansprüchen in Köln angemessen! Um die 18.500 Zuschauer fassende Lanxess-Arena einigermaßen zu füllen (bis 2008 lag der Schnitt regelmäßig bei 12.000 Besuchern und darüber), muss die Mannschaft in oberen Tabellenregionen mitmischen. Die Basis für eine wirtschaftliche ausreichende Zuschauerzahl ist gelegt, denn trotz des späten Vorverkaufsbeginns wurden bis Mitte August bereits mehr als 4000 Dauerkarten verkauft. Der „harte Kern“ der Haie-Fans ist treu geblieben, jetzt gilt es, mit Top-Leistungen auch die übrigen potentiellen Fans zum Besuch in der Arena erreichen.
Vorbereitungsspiele nur in Köln und in Iserlohn
Vor einem Jahr tourten die Haie im August unter dem damaligen Chefcoach Igor Pavlov durch „halb Europa“ und bestritten Vorbereitungsspiele in Österreich, Italien und Tschechien. In diesem Jahr bestritten die Haie im Trainingszentrum an der Gummersbacher Straße das Turnier um den „Fans-der-Kölner-Haie-Pokal“ mit Spielen gegen den Krefelder EV und die DEG Metro Stars und ein zweites Turnier um den „Landes-Gartenschau-Cup“ in Iserlohn. Dort spielten sie erneut gegen den KEV (und kassierten die zweite Niederlage), sowie gegen die Roosters und den Zweitligisten Schwenninger Wild Wings. Zum Abschuss der Vorbereitung spielt man zweimal gegen die DEG; die beiden Erzrivalen besuchen sich wechselseitig auf den Saisoneröffnungsfeiern in der Lanxess-Arena und im ISS-Dome. Dabei verloren die Haie nach einer mäßigen Leistung zwar zuhause (2:4), revanchierten sich aber 24 Stunden später in der Landeshauptstadt (4:3).
Gesamtbilanz der Vorbereitung: sieben Spiele, vier Siege (einer nach Verlängerung), drei Niederlagen.
Unsere Prognose für die neue Saison
Das von Bill Stewart genannte Saisonziel wird erreicht, wenn:
- Torhüter Adam Dennis ein ähnlicher Rückhalt wird, wie es der Schweizer Lars Weibel lange Zeit in der letzten Saison war. In den ersten Testspielen zeigte der 25jährige Kanadier gute Reflexe und einige starke Paraden. Weil er aber auch viele Schüsse abprallen ließ, strahlte er noch keine Ruhe in der Abwehr aus. Dennis muss sich steigern, sein Vertreter Björn Linda kommt nicht über die Rolle des Ersatzkeepers hinaus.
- Die neuen kanadischen Verteidiger Ross Lupaschuk und Chris Lee ihren Vorschusslorbeeren gerecht und die erhoffte Entlastung für Mirko Lüdemann werden.
- Ivan Ciernik wieder ähnlich torgefährlich agiert wie in der Saison 2007/08. Der Slowake ist sicher einer der besten Stürmer in der DEL, taucht aber inzwischen zu oft unter und erweckt den Eindruck der Lustlosigkeit.
- NHL-Spieler Matt Pettinger nicht nur seinen Namen „spazieren fährt“ wie vor zwei Jahren der unrühmliche Mark Johnson, sondern – wie geplant – die sportliche Nachfolge Marcel Müllers antritt.
- Neben Ciernik und Pettinger sowie Philip Gogulla und Christoph Ullmann auch andere Stürmer beständig ins gegnerische Tor treffen; als hoffnungsvollster Kandidat gilt dafür Ryan Ramsay, der in der Vorbereitung als sechsfacher Torschütze glänzte.
- Die gesamte Mannschaft disziplinierter auftritt als in den ersten Testspielen. Auch wenn es die automatische Spielsperre nach einer Spieldauer-Disziplinarstrafe nicht mehr gibt, darf sich das Team eine ähnliche Flut von Ausschlüssen in der Meisterschaft nicht erlauben.
- Vor allem aber müssen die Trainer Bill Stewart und Niklas Sundblad in kurzer Zeit aus der Ansammlung von rund 20 Spielern eine funktionierende Mannschaft formen.
(Hans-Hubert Keßler)


