Köln. (HHK) Uwe Krupps letzter Satz auf der Pressekonferenz nach dem Spiel der Kölner Haie einen die Icetigers aus Nürnberg verghieß seinen Spielern nichts Gutes für die kommenden Tage: „Wir werden die beiden nächsten Tage vor dem Spiel gegen Hannover damit verbringen, unsere Beine und unsere Arbeitseinstellung wiederzufinden.“ Der Chefcoach der Haie war mächtig sauer auf sein Team, dass gegen den Tabellenletzten 60 Minuten lang nie zu einer akzeptablen Linie fand, zwar 46mal auf das von Patrick Ehelechner gut gehütete Nürnberger Tor schoss, aber nur wenige dieser Schüsse waren auch wirklich gefährlich.
Dem Kölner Cheftraier wurde der erste Eishockeyabend dieses Jahres ebenso vermiest wie seinem Assistenten Niklas Sundblad, der dieses Debakel an seinem 39. Geburtstag erleben musste.

Kölns Torwart Youri Ziffzer wehrt die Scheibe mit dem Stockende ab - © by ISPFD (sportfotocenter.de)
Schon das Auftaktdrittel entwickelte sich zu einer zähen Angelegenheit. Vor allem die Gastgeber taten sich sehr schwer, ihren gewohnten Spielfluss zu finden. Das lag in erster Linie daran, dass sie schon bis zur sechsten Minute zehn Strafminuten kassierten und demzufolge lange Zeit in Unterzahl agieren mussten. Als Schiedsrichter Roland Aumüller nach 4:26 gleich vier Spieler in die Kühlbox schickte, ging dem Unparteiischen total die Orientierung verloren. Wenige Sekunden nach dem folgenden Bully unterbrach er das Spiel, um sich an der Zeitnahme über die Konsequenzen seiner Strafenverteilung zu informieren. War Aumüller, als notorischer Heimschiedsrichter bekannt, überrascht, dass er den beiden Nürnbergern zwei Strafminuten weniger aufgebrummt hatte als den beiden Kölnern? Der Nürnberger Nachbar auf der Pressetribüne kommentierte ironisch: „Dem Aumüller hat man wohl gesagt, dass die Nürnberger in rot spielen.“ Tatsächlich spielten die Gastgeber in ihren roten Heimtrikots, die Gäste in weißen Trikots.
Aus ihren Überzahlchancen machten die Icetigers nichts. In Führung gingen sie erst durch den weit aufgerückten Verteidiger Sven Butenschön, als beide Teams wieder in voller Stärke auf dem Eis standen. Butenschön war in ungewohnt offensiver Position zur Stelle, als Kölns Keeper Youri Ziffzer einen Barta-Schuss nicht festhalten konnte und schib zum 0:1 ein. Gleich danach gerieten die Franken erstmals in Unterzahl wegen „Unkorrekten Anspiels“. Die Überzahl führte zwar noch nicht zum Ausgleich, doch die Haie bauten nun endlich massiv Druck vor Ehelechners Gehäuse auf. Auch der Ausgleich fiel, als beide Teams wieder komplett auf dem Eis standen; John Tripp traf nach schöner Vorarbeit von Felix Schütz in der 14. Minute.

Kleine Meinungsverschiedenheit zwischen Kölns Felix Schütz und Nuernbergs Robert Leask - © by ISPFD (sportfotocenter.de)
Dem schwachen Auftaktdrittel folgte ein noch schwächerer zweiter Spielabschnitt. Vor allem die Gastgeber waren zwanzig Minuten lang völlig von der Rolle, selbst während dreier Überzahlspiele kamen sie kaum zu aussichtsreichen Situationen vor dem Nürnberger Tor. Gefährlicher und letztlich erfolgreicher agierten die Gäste. Weder war es Verteidiger Sven Butenschön, der in der 30. Minute ein Zuspiel von Greg Leeb vor dem Kölner Tor aufnahm, Ziffzer ins Leere hechten ließ und sein Team erneut in Führung brachte.
Die Gastgeber spielten optisch überlegen, schossen nahezu doppelt so häufig auf das gegnerische Tor wie die Gäste, doch den Aktionen fehlte die Präzision und insgesamt wirkte alles bemüht, aber planlos. So ging es mit dem Stand von 1:2 in die zweite Pause.
Das erwartete große Aufbäumen der Haie blieb im Schlussdrittel aus. In keiner Sekunde kam bei den 8.561 Besuchern der Eindruck auf, dass die Gastgeber das Ergebnis noch wenden könnten. Tatsächlich kam es noch schlimmer für den KEC. Einen Scheibenverlust in der Kölner Abwehrzine bestraften die Icetigers durch das 3:1 von Yan Stastny. Vitalij Aab verfehlte nur knapp das vierte Tor der Gäste, das dann aber der bis dahin kaum aufgefallene Jamie Pollock mit einem Schuss von der blauen Linie erzielte.
Das war in der 54. Minute die letzte nennenswert6e Aktion in einem Spiel, dass viele Kölner Fans schon einige Minuten vor der Schlusssirene aus der Halle trieb.
Trainerstimmen:
Peter Draisaitl (Nürnberg): Es ist uns heute besser gelungen, die Kölner Stürmer von unserem Tor fern zu halten. Wir haben vier Tore zustande gebracht und ein gutes Penaltykilling gespielt. Insgesamt war das eine vernünftige Antwort auf das schlechte Spiel in Düsseldorf.
Uwe Krupp (Köln): Wir waren heute nicht gut genug. Wir haben nicht gut gearbeitet und keine Laufbereitschaft gezeigt. Mit dem Ergebnis können wir nach diesem 3. Drittel noch zufrieden sein. Wenn wir den ein fachen Weg wählen, werde wir dafür bestraft. Das war ein bitterer Punkzverlust. Wir werden die beiden nächsten Tage vor dem Spiel gegen Hannover damit verbringen, unsere Beine und unsere Arbeitseinstellung wiederzufinden.“
Statistik:
Kölner Haie – Thomas Sabo Icetigers 1:4 (1:1,0:1, 0:2)
Tore: 0:1 (10:26) Butenschön (Aab, Barta), 1:1 (13:01) Tripp (Schütz, Ankert); 1:2 (29:14) Butenschön (G. Leeb, Fischhaber); 1:3 (48:09) Joseph (Stastny, Collins); 1:4 (53:26 PP) Pollock (Stastny)
Strafen: Haie 18 – Icetigers 20
Torschüsse: Haie 46 – Icetigers 22
Schiedsrichter: Aumüller (Janssen, Neutzer)
Zuschauer: 8.561
Aufstellungen:
Kölner Haie: Ziffzer (Aus den Birken) – d’Aversa, Müller; Lavallee, Krupp; Ankert, Lüdemann; Lakos – Weiß, Jaspers, Pettinger; Gogulla, Schütz, Tripp; Classen, Stephens, Breitkreuz; Riefers, Ohmann
Ice Tigers: Ehelehner (Jenike) - Leask, Pollock; Butenschön, Kemp; Traynor, Walter – Collins, Stastny, Joseph; Frosch, Barta, Aab; Ehliz, G. Leeb, Fischhaber; B. Leeb, Schüle
Three Stars:
+++ (1. Top-Star) Butenschön
++ (2. Top-Star) Ehelechner
+ (3. Top-Star) Collins
Archivfotos zum Thema:



