New York. Während die neue DEL Saison schon angefangen hat, müssen NHL Fans sich noch einen Monat gedulden. Erst am 7. Oktober jagen die besten Eishockeycracks der Welt wieder dem Puck hinterher. Darunter sind auch acht deutsche Profis, die zum Teil schon seit Jahren in Nordamerika spielen. Einzig Marcel Müller, der im Sommer von den Kölner Haien zu den Toronto Maple Leafs wechselte, steht vor seiner ersten Spielzeit in der nordamerikanischen Spitzenliga.
In der kommenden Spielzeit kann alles passieren. Bleibt Marco Sturm von Verletzungen verschont? Erobert Alexander Sulzer einen Stammplatz bei den Predators? Wie entwickelt sich Marcel Müller? Fragen über Fragen. Bevor diese beantwortet werden können, hier erstmal eine Übersicht zu den deutschen NHL-Spielern:
Dennis Seidenberg – Boston Bruins
Der Ex-Mannheimer geht in seine achte NHL-Saison und hat schon 374 NHL Spielein den Knochen. Nachdem er im März von den Florida Panthers zu den Boston Bruins getradet wurde, fiel der Verteidiger einen Monat später wegen eines Sehnenrisses im linken Arm bis Saisonende aus. Somit war seine punktemäßig beste Saison (79 Spiele, 32 Punkte für Florida und Boston) vorzeitig beendet. Dennoch wurde er kurze Zeit später von den Bruins mit einem 4-Jahresvertrag ausgestattet. Grund dafür ist zweifelsfrei seine Defensivarbeit. In der vergangenen Saison blockierte Seidenberg insgesamt 215 Schüsse. So viele wie kein anderer in der NHL.
Sicherlich wird er auch in der kommenden Spielzeit sein Können zeigen. Und ein bisschen Deutsch kann er auch in der Kabine sprechen. Denn unter seinen Teamkameraden ist Marco Sturm. Boston hat außerdem die Draftrechte an Denis Reul, der momentan für die Adler Mannheim spielt.
Marco Sturm – Boston Bruins
Der zweite Deutsche in Boston ist Marco Sturm. Der Angreifer kann satte 855 NHL Spiele vorweisen. Der Dingolfinger verdient schon seit 1997 sein Geld in der NHL und zählt zu Deutschlands bekanntesten Eishockeyspielern. Zwar trifft der 31-Jährige nicht mehr so oft wie früher, jedoch liegt dies vor allem an etlichen Verletzungen. So fiel Sturm nach einer erneuten Knieverletzung während den vergangenen Playoffs aus und wird vorraussichtlich erst im Dezember aufs Eis zurückkehren.
Trotzdem zählt er zu den besten Skatern und wird hoffentlich zu seiner alten Form zurückfinden können. Seine Verletzungsanfälligkeit könnte jedoch zum Problem werden. Fraglich also, ob er die Tausender-Marke in den nächsten Jahren knacken kann. Wir drücken ihm die Daumen!
Jochen Hecht – Buffalo Sabres
Ein weiteres NHL-Urgestein ist Jochen Hecht. Wie Seidenberg wechselte er von den Adler Mannheim in die NHL, wo er seit 1998 fast 700 Spiele bestritten hat. Seit 2002 steht der Stürmer im Kader der Buffalo Sabres und kommt in der Saison durchschnittlich auf 40 Scorerpunkte. Auch er erlitt zum Saisonende hin eine Verletzung und musste wegen einer Blessur am kleinen Finger als Zuschauer die Playoffs miterleben.
Wann der Mannheimer aufs Eis zurückkehren kann ist noch unklar. Er wird hoffentlich bald wieder dem Puck nachjagen können und dürfte kein Problem haben eine anständige Saison zu spielen, sofern er von Verletzungen verschont bleibt.
Alexander Sulzer – Nashville Predators
Relativ neu in der NHL ist Alexander Sulzer. Der Verteidiger aus Kaufbeuren kam in den vergangenen Jahren überwiegend beim AHL-Farmteam der Predators, den Milwaukee Admirals, zum Einsatz. Dort konnte er sich für insgesamt 22 NHL-Einsätze in den vergangenen zwei Spielzeiten empfehlen. Seine Punkteausbeute fällt jedoch in Nashville mit zwei Assists bisher bescheiden aus. Denn in Milwaukee gehörte er letztes Jahr mit 30 Punkten zu den besten Offensiv-Verteidigern.
Wenn er seine Offensivstärke auch in Nashville zeigt und mehr Punkte macht, wird er sicherlich öfters im NHL Dress auflaufen. Vor allem wenn andere Verteidiger der Predators verletzungbedingt ausfallen. Ansonsten wird er weiterhin im Farmteam eine wichtige Rolle spielen.
Marcel Goc – Nashville Predators

Marcel Goc, hier noch im Trikot der San Jose Sharks, geht in seine zweite Saison bei den Predators. - © by Media
Der Bruder der beiden DEL Spieler Nikolai und Sascha Goc verließ im Jahr 2003 Deutschland, um in Nordamerika Fuß zu fassen. Der Stürmer wechselte in die Organisation der San Jose Sharks und kam in seiner ersten Saison beim Farmteam, Cleveland Barons, in der AHL zum Einsatz. Seine 37 Scorerpunkte in 78 Spielen wurden mit fünf Play-Off Einsätzen für San Jose in der NHL belohnt. Dabei erzielte er sein erstes NHL Tor. Seitdem war er fester Bestandteil des San Jose Kaders bis er letzte Saison zu den Nashville Predators wechselte.
Nach einer starken Saison mit 30 Punkten in 73 Spielen darf der Erstrundendraftpick auf eine erfolgreiche Spielzeit 2010/11 hoffen. Seine Punkteausbeute wird wahrscheinlich höher ausfallen und er könnte zu den Top-Scorern im Team gehören.
Thomas Greiss – San Jose Sharks
Nachdem er 2006 die Kölner Haie Richtung Nordamerika verließ, arbeitete sich Thomas Greiss zur NHL hoch und ist nun bei den San Jose Sharks unter Vertrag. Unverwunderlich verbrachte der Torhüter die meiste Zeit in den letzten Jahren beim Farmteam Worcester Sharks in der AHL. Dort konnte er 2008/09 in insgesamt 69 Spielen überzeugen und wurde in der darauffolgenden Saison ins NHL Team befördert. Dort kam er als Ersatzmann für Evgeni Nabokov auf 16 Einsätze.
In der kommenden Saison muss er sich gegen die beiden finnischen Torhüter Antero Niitymäki und Antti Niemi durchsetzen. Gut möglich das es ein schweres Jahr für den jungen Schlussmann wird. Zudem hat er im Nationalteam mit Dennis Endras einen sehr talentierten Konkurrenten, der nächstes in die NHL kommt.
Marcel Müller – Toronto Maple Leafs

Marcel Müller versucht sich in dieser Saison in Nordamerika. - © by Oliver Mothes, Eishockey-Magazin
Dies ist der einzige deutsche Neuling in der NHL dieses Jahr. Von den Kölner Haien wechselte Marcel Müller zu den Toronto Maple Leafs. Ob der Stürmer erstmal fürs Farmteam, den Toronto Marlies, spielt, entscheidet sich noch. Klar ist das seine Zukunft in der NHL ist. Gleich sechs NHL-Vereine jagten den Berliner, der vergangene Saison in 53 Spielen 56 Scorerpunkte machte. Zudem überzeugte er im Nationaltrikot.
Marcel Müller hat nun die Möglichkeit sich für NHL Einsätze zu empfehlen. Es wird sich zeigen, wie schnell er sich eingewöhnen kann. Wunder sollte man von ihm nicht erwarten, aber Müller wird sein Talent zeigen können und sich spielerisch verbessern.
Christian Ehrhoff – Vancouver Canucks
Der letzte im Bunde ist schon etwas länger dabei. Im Jahr 2003 zog es den Verteidiger nach Nordamerika. Wie einige der anderen Deutschen kam er anfangs bei den San Jose Sharks unter. Gleich in seiner ersten Saison kam er auf 41 Spiele in denen er 12 Scorerpunkte schaffte. Während er die ersten zwei Jahre auch beim Farmteam Cleveland Barons verbrachte, gehörte er seit 2005/06 fest zum NHL Kader der Sharks ehe er vergangenen Sommer zu den Vancouver Canucks getradet wurde. Dort schaffte er seine punktemäßig beste Saison mit 51 Punkten in 92 Spielen inklusive Playoffs.
Der Nationalspieler steht nun vor seiner zweiten Saison für die Canucks und könnte ein besonderes Jubiläum nächsten Frühling feiern, sofern er sich nicht verletzt. Mit 421 NHL Spielen steht die große 500er-Marke bevor. Ob er diesen Meilenstein in der bevorstehenden oder folgenden Saison passiert, ist jedoch Nebensache. Ehrhoff wird versuchen fleißig Scorerpunkte zu sammeln und punktemäßig bester Verteidiger im Team zu werden.
(Chris D. Schuster)



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