Augsburg. Am Donnerstag, eine Woche vor Saisonbeginn, stand Larry Mitchell unserem Mitarbeiter Manfred Spatz Rede und Antwort.
Eishockey-Magazin: Larry, vielen Dank, dass Du Dir im Vorbereitungsstress Zeit für mich nimmst. Im letzten Jahr wurdest Du zum Trainer des Jahres gewählt, und das obwohl die Augsburger Panther „nur“ Tabellenzehnter wurden. Was bedeutet diese Ehrung für Dich?
Larry Mitchell: Oh, es bedeutet mir sehr viel und ist eine unheimlich große Ehre. Gerade als Liga-Neuling und als Tabellenzehnter ist das sicher außergewöhnlich. Ganz besonders freut mich darüberhinaus die Tatsache, dass die Wahl nicht nur durch Journalisten, sondern auch durch Kollegen und den Managern zustande kam.
Eishockey-Magazin: Daraufhin gab es sicher Angebote aus der DEL?
Larry Mitchell: Naja, Angebote nein, eher Anfragen. Auch von großen Vereinen.
Eishockey-Magazin: Was hast Du in Deiner ersten vollständigen DEL-Saison als Headcoach gelernt bzw. was wirst Du in der kommenden Saison anders machen?
Larry Mitchell: Nun, ich bin insgesamt sicher ein besserer Trainer als ich es vor vier Jahren war. Letztendlich lernt man doch jedes Jahr dazu. In der DEL muss man als Trainer sehr viel schneller auf Spielsituationen, Finessen der Kollegen bzw. Schiedsrichterentscheidungen reagieren als in den unteren Ligen. Folglich sind die DEL-Kollegen zu Recht genau in dieser Liga. Auch sie werden an Optimierungen arbeiten. Deshalb versuche ich dieses Jahr noch schnellere und effizientere Entscheidungen zu treffen.
Eishockey-Magazin: In der Vorbereitung nahm man vermeintliche Änderungen im Spiel der Panther wahr. Beispielsweise versuchte die Defensive sehr schnell und lang bis an die blaue Linie der Angriffszone zu spielen. Ist das eine Spieloption, die man in der kommenden Saison öfter gewinnbringend nutzen möchte?
Larry Mitchell: Natürlich. Mit T.J. Kemp haben wir einen Verteidiger, dem dieses Spiel auch liegt. Grundsätzlich wollen alle Spieler gerne Tore schießen. Haben wir den Puck gewonnen geht der Spaß schnell und unmittelbar los.
Eishockey-Magazin: Wie sehr beeinflussen Deine Beobachtungen des Stanley-Cup-Finales die Taktik für die neue Saison? Hast Du alle Spiele der Serie gesehen?
Larry Mitchell: Ich habe leider nur sechs Spiele gesehen. Während des siebten Spieles war ich im Flieger. Detroit ist eine Mannschaft von der man unheimlich viel lernen kann.
Eishockey-Magazin: Zum Beispiel, dass im Powerplay immer ein Spieler vor dem Torwart postiert ist? Im Spiel gegen Ingolstadt hat man Chris Collins einige Male in dieser Position gesehen.
Larry Mitchell: Als Trainer hätte man diese Position natürlich gerne besetzt. Nur steht eben genau da kein Spieler gerne. Thomas Holmström von den Red Wings ist eben so ein Spieler. In der NHL gibt es laut den NHL-Trainerkollegen nur ca. 9 weitere Spieler für diese Aufgabe. Bei uns ist Steve Junker so ein Typ, der ist jedoch hauptsächlich fürs Unterzahlspiel vorgesehen.
Eishockey-Magazin: Zurück zum Team der Panther? Wie schätzt Du speziell die Neuzugänge nun nach 4 Wochen Eiszeit ein? Ist diese Mannschaft in der Tat stärker als im Vorjahr?
Larry Mitchell: Aus Trainersicht ist sie ganz sicher stärker, jedoch sagt jeder der anderen 14 Trainer das Gleiche. Zudem gibt es keine verletzungsfreie Saison. Man muss auch Glück haben. Ich habe erstmalig die Situation, dass die nötigen Rollen eindeutig durch entsprechende Spieler besetzt sind. (auf Nachfrage:) Nun, das bedeutet, dass ich dieses Jahr mit Kreitl, Jörg und Junker die besten Defensivspieler nicht auch noch im Powerplay einsetzen muss. Das war letztes Jahr mit Matt Ryan und Mark Murphy noch der Fall. Insgesamt erwarte ich damit die Offensive und die Specialteams ausgeruhter und konzentrierter.
Zudem überlegen wir inzwischen wer siebter Verteidiger sein soll, letztes Jahr hatten wir meiner Meinung nach nur fünf starke Verteidiger und haben über den sechsten diskutiert. Zudem haben wir heuer sieben ausländische Stürmer. Wir sind also sicher in allen Mannschaftsteilen stärker geworden. Dazu kommen großartige Spieler wie Connor James und T.J. Kemp, die wir wahrscheinlich zu „normalen“ Zeiten – ohne Wirtschaftskrise – nicht bekommen hätten.
Eishockey-Magazin: Wer wird Kapitän? Bestimmst Du das?
Larry Mitchell: Ja, ich bestimme das. Es wird Steve Junker sein, aber er weiß es noch nicht, da er Dienstag nicht spielen konnte. Wenn er morgen gegen Graz spielen kann, so sieht es heute aus, werde ich es bekannt geben.
Eishockey-Magazin: Dein Meistertipp ist Mannheim! Wo wird Augsburg landen?
Larry Mitchell: Ja, Mannheim hat einen starken Kader und Nathan Robinson. Der gewinnt immer! Wir wollen unter die ersten Zehn kommen. Wir wissen, dass es schwierig wird, aber wir wollen den Erfolg aus der Vorsaison wiederholen. Wenn man jedoch erfolgreich bei der Spielerverpflichtung war – und das waren wir meines Erachtens – darf man nicht mit Platz 10 zufrieden sein. Platz 9 wäre der nächste Schritt, aber warum dann nicht Platz 8. Man muss jedoch realistisch bleiben, die Mannschaften werden eng beieinander sein.
Eishockey-Magazin: Das Curt-Frenzel-Stadion wird umgebaut. Ist der aktuelle – offene – Zustand, ein Standort-Nachteil bei Spielerverpflichtungen
Larry Mitchell: Kann sein, wenn sich ein Spieler vorher im Internet informiert. Aber das ist für die Kanadier aufgrund der Sprache schwierig. Für uns selbst ist es bei aktuellen Temperaturen schwierig, weil das Eis sehr schlecht ist. Da wird schon mal gemeckert, aber ab November, wenn es dann kalt wird, haben wir das beste Eis der Liga und die Spieler lieben es. Es ist natürlich ein gewisser Heimvorteil, wenn beispielsweise die Teams mit warmen Arenen ins -17°C kalte Curt-Frenzel-Stadion kommen.
Conner James ist jetzt erst zwei Wochen hier, aber er ist begeistert von der gesamten Situation und dem Stadion.
Eishockey-Magazin: Wenn Du einen Spieler der Konkurrenz auswählen dürftest, wer wäre dies und warum?
Larry Mitchell: Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden. Aber Wünsche darf jeder haben. Ich denke irgendeiner der ersten vier Verteidiger der Berliner würde jeder Mannschaft gut zu Gesicht stehen. Egal ob Andy Roach, Richie Regehr, Marvin Degon oder Derrick Walser. Aber auch Deron Quint aus dem Vorjahreskader der Berliner wäre eine Bereicherung auf der Position des offensiven Verteidigers. Man darf das nicht unterschätzen wie wichtig offensiv starke Verteidiger für eine Mannschaft sind. Wir hoffen, dass T.J. Kemp so einer ist.
Eishockey-Magazin: Während der Vorbereitung habt Ihr den Gäuboden-VolksfestCup in Straubing gewonnen. Hattest Du vor Ort Gelegenheit den HockeyDome (Spezialbelag, auf dem mit Schlittschuhen gefahren werden kann) anzusehen?
Larry Mitchell: Nein, ich habe es mir nicht angesehen. Ich kenne es aus Kanada. Mein Bruder ist ein Eishockey-verrückter Vater und hat es für seinen achtjährigen Sohn in der Garage verlegt. Der geht jetzt Sommer wie Winter zum Schlittschuhlaufen und zu Schussübungen in die Garage. Man darf aber nicht vergessen, dass es schon anders ist als auf Eis.
Eishockey-Magazin: Wie wichtig sind für Dich Medien und speziell das Internet bei Deiner Arbeit?
Larry Mitchell: Ich lese keine Zeitung oder Magazine, außer denen die mit Eishockey zu tun haben. Ansonsten kann ich mir ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Ich versuche jeden Tag mindestens zweimal – am morgen und abends – online zu sein.
Eishockey-Magazin: Kennst Du Deinen Wikipedia-Eintrag? (http://de.wikipedia.org/wiki/Larry_Mitchell)
Larry Mitchell: Ja, den habe ich voriges Jahr zufällig entdeckt. Eishockey-Magazin: Du selbst führst einen eigenen Blog, in dem Du über aktuelle Themen der...

