Iserlohn. (MK) Dieser Eishockeyabend hatte für die 3203 Zuschauer in der Halle und für die TV Zuschauer von Sky wieder einmal fast alles zu bieten, was den schnellsten Mannschaftssport ausmacht. Rassige Zweikämpfe, hohes Tempo, überragende Torhüter und eine prima Stimmung in der Halle. Beste Voraussetzungen also, um den TV-Fluch der Roosters, die Sauerländer haben in dieser Saison noch kein einziges TV-Spiel gewinnen können, zu beenden. Dieses Vorhaben gelang allerdings nicht. Gegen die Straubing Tigers unterlag das Team von Doug Mason in der Overtime mit 3:4. Und das, obwohl man schon mit 3:1 zwischenzeitlich geführt hatte. Für viele mitschuldig an der Niederlage war Schiedsrichter Willi Schimm, der vor dem zweiten Straubinger Tor ein klares Foul übersehen hatte. Aber der Reihe nach.

Barry Brust hielt Straubing vor allem in den ersten dreißig Minuten im Spiel - © by Eishockey-Magazin
Die Gastgeber begannen druckvoll und erarbeiteten sich gleich gute Einschusschancen durch Cullimore von der blauen Linie, Fretter (beide 2.) und Wolf (4.), der in der zentralen Position an Straubings Keeper Brust scheiterte. Exakt fünf Minuten waren gespielt, als sich Brust erstmals geschlagen geben musste. Fretter ließ sich über den linken Flügel stürmend auch nicht an der Bande von zwei Straubinger Spielern stoppen, zog vor das Tor und netzte eiskalt ins linke Eck zum 1:0 ein. Klare Chancen blieben für die Gäste aus Bayern in diesem Drittel Mangelware. Der Ex-Iserlohner und möglicherweise Bald-Ingolstädter Sparre (8.) verzog beispielsweise neben den Kasten von Caron. Zwei kurz aufeinander ausgesprochene Strafen gegen St Jacques und Hundhammer bescherten den Roosters für 1:44 Minuten ein doppeltes Powerplay. Wolf, Ardelan und Spina brachten die Scheibe aber nicht im Tor unter. Dieses Powerplay war eine wichtige Sequenz im Spiel, hätte man mit dem zweiten Treffer schon frühzeitig die richtige Richtung einschlagen können. Die Roosters aber spielten zu kompliziert und schossen viel zu wenig. Iserlohns erste Strafe gegen Spina (16.), der zuvor noch zwei Mal (12./15.) an Brust gescheitert war, konnten die Tigers ebenfalls nicht nutzen. In Unterzahl, Meunier saß für die Tigers draußen, ergab sich für die Gäubodenstädter eine prima Konterchance, die Osterloh aber neben den Kasten setzte. Die Iserlohner Führung nach den ersten zwanzig Minuten ging völlig in Ordnung.
In den ersten zehn Minuten des zweiten Drittels blieben die Gäste weiterhin blass. Iserlohn dagegen erarbeitete sich Chancen, aber Hock (22.), Fretter (23./26.), Ritter (24.), Giuliano (29.) und Wolf (31.) scheiterten teilweise sogar völlig freistehend vor dem phasenweise etwas konfus agierenden Brust. Den fast schon überfälligen zweiten Iserlohner Treffer markierte Cowan in der 31. Minute. Straubings Coach Ratushny nahm daraufhin seine Auszeit. Keine zwei Minuten später rissen die Gäste erstmals die Arme zum Torjubel nach oben. Schönberger hatte aus dem linken Bullykreis zum 2:1 Anschluss getroffen. Allerdings protestierten die Roosters heftigst, denn zuvor hatte Schiedsrichter Schimm ein Foul an der Bande gegen Ardelan großzügig übersehen. Nun wurde auch das Spiel wieder hektischer. Spina verzog in der 34. Minute und war kurz darauf während einer Iserlohner Unterzahl schon wieder im Mittelpunkt. Sein Konter wurde von zwei Straubingern unsanft gestoppt. Die Iserlohner Fanschar erwartete auch hier den Pfiff des Schiedsrichters vergeblich und war endgültig aufgebracht. Die wohl bis dahin beste Straubinger Chance vergab Germyn noch im Powerplay, als er am langen Pfosten den Puck nicht richtig traf. Packend ging es auch in der Schlussminute des Drittels zu. Zunächst vergab Hackert mit der Rückhand die große Chance zum 3:1. Straubings Osterloh wurde nur Sekunden später bei einem Zweikampf an der Bande unglücklich erwischt und musste behandelt werden. Mit Spannung durfte man das letzte Drittel erwarten.

Jubel bei Sean Blanchard (72, Iserlohn Roosters) und Michael Hackert (22, Iserlohn Roosters). - © by Eishockey-Magazin
124 Sekunden waren im letzten Drittel absolviert, als nach zerfahrenem Beginn Iserlohns Blanchard sich über den rechten Flügel bis vor Brust durchtankte und erfolgreich zum 3:1 nachsetzte. War das schon die Vorentscheidung? Iserlohns Torjäger Wolf hatte die nächste hochkarätige Chance, aber er konnte nicht einnetzen. 44:12 Minuten zeigte die Uhr an, als Referee Schimm den Videobeweis zu Rate zog, aber keinen Treffer von Giuliano erkennen konnte. Noch einmal Glück somit für die Gastgeber. Den nächsten anerkannten Treffer schafften dann erneut die Gäste. Dotzler verkürzte in der 45. Minute zum 3:2. Hommels Strafe brachte Straubing einmal mehr in Überzahl, die allerdings den Roosters in Person von Torjäger Wolf die größte Chance eröffnete. Dieser schoss aber über das Tor. Gerade wieder vollzählig war es Spina, der an Brust scheiterte. Auf der anderen Seite rettete Caron gegen Stewart und Röthke (53.). Das Drängen der Gäste auf den Ausgleich wurde in der 56. Minute belohnt, als Meunier die Scheibe über die Linie zum 3:3 bugsierte.
Nach spannenden und abwechslungsreichen sechzig Minuten musste der Sieger in der Verlängerung gefunden werden.
Hier hatten die Gäste das Quäntchen mehr Glück, als Elfring in der 62. Minute einfach mal abzog und die Scheibe von der Unterkante der Latte zum 3:4 Endstand einschlug.
Der unbändige Wille der Tigers wurde damit am Ende doch noch sogar mit zwei Zählern belohnt. In dieser Saison können sie sich eben fast nur noch selbst schlagen. Und die Roosters? Sie hatten vergessen den Sack frühzeitig, beispielsweise im Powerplay, zuzumachen. Sie enttäuschten aber keineswegs. Und ganz nebenbei: Die Negativserie bei Sky-Liveübertragungen bleibt bestehen. Da wird sich so mancher Iserlohner Fan sagen: „Gut, dass Sky so schnell nicht wieder am Seilersee aufkreuzt“!
Iserlohn Roosters – Straubing Tigers 3:4 n.V. (1:0/1:1/1:2/0:1)
Tore: 1:0 (05:00) Fretter (Blanchard), 2:0 (30:27) Cowan (Blanchard), 2:1 (32:11) Schönberger (Daoust/Sparre), 3:1 (42:04) Blanchard (Ritter/Rupprich), 3:2 (45:31) Dotzler (Canzanello/Meunier), 3:3 (55:56) Meunier (Canzanello/St Jacques), 3:4 (61:59) Elfring (Röthke)
Strafen: Iserlohn 8 – Straubing 8
Schiedsrichter: Willi Schimm
Zuschauer: 3.203
Aufstellungen:
Iserlohn: Caron – Langwieder, Peltier; Kopitz, Ardelan; Cullimore, Blanchard; Danielsmeier – Wolf, York, Wörle; Fretter, Hackert, Hommel; Spina, Hock, Giuliano; Ritter, Rupprich, Cowan
Straubing: Brust – Ondruschka, Bakos; Canzanello, St Jacques; Osterloh, Dotzler; Elfring – Stewart, Hussey, Röthke; Ramsay, Meunier, Germyn; Schönberger, Daoust, Sparre; Keil, Hundhammer, Brückner
Three Stars:
1st Star: Brust (Straubing)
2nd Star: Fretter (Iserlohn)
3rd Star: Blanchard (Iserlohn)
Stimmen zum Spiel von Dan Ratushny, Doug Mason und Alexander Dotzler
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