Straubing. (ma) Kennen Sie das auch? Es ist Montag und Mittagspause in ihrem Betrieb. Sie begeben sich in die Kantine mit ihren Arbeitskollegen. Dann fängt der erste an vom Wochenende zu erzählen und fragt seinen Sitznachbarn: “Na hast du das Spiel der Tigers gesehen?” Antwort: “Natürlich war ich im Stadion, was denkst du denn!” Es fallen dann Namen wie Brust, Meunier, Hussey oder Ratushny und Begriffe wie Icing, Empty Net oder Powerplay. Und Sie? Sie sitzen daneben und können nicht mitreden. Wieder einmal muss man sich die Geschichten der anderen anhören, während man selbst nur Außenstehender ist. Aber daran können sie selber etwas ändern. Das Eisstadion am Pulverturm bietet Platz für 5.777 Zuschauer. Natürlich gibt es auch noch größere Hallen in Deutschland, aber diese sind schon lange keine richtigen Eisstadien mehr, sondern große Multifunktionsarenen.

 

In Straubing kann man das Eis als Fan noch fühlen und spätestens im Januar und Februar ist warme Kleidung angesagt, aber dafür gibt es derzeit bei den Heimspielen der Tigers eine Garantie für hohen Kuschelfaktor. Denn längst ist aus vielen Eishockeyinteressierten eine große Eishockeybegeisterung geworden. Längst ist nicht nur die 4000er Marke bei den Zuschauerzahlen gebrochen. Seit Weihnachten konnte sogar die 5000er Marke regelmäßig überschritten werden. Die offizielle Facebookseite der Straubing Tigers schaffte das sogar noch Wochen vorher.

 

Die Fans der Straubing Tigers - © by Eishockey-Magazin


Auch nicht verwunderlich ist, dass bei den Auftritten der Mannschaft Glücksgefühle und Adrenalin gleichermaßen steigen. Denn derzeit mischt der kleinste Standort der DEL die Liga auf. Aktuell rangiert man auf Platz Nr. 6 was bedeutet, dass die Pessimisten Sendepause haben. Vor Beginn der Saison wäre Platz 10 noch Wunschdenken gewesen. Aussagen wie: “Naja wenn’s etwas läuft und wir keine Verletzten haben können wir zwölfter werden” waren an der Tagesordnung. In den ersten Wochen bestätigte man auch dieses Bild der selbsternannten Experten. Doch dann kam der November und der Erfolg. Bis zum heutigen Tag verlor man nur zwei Heimspiele seitdem.

 

Im Gegensatz zur letzten Saison haben die Gegner nun wieder Achtung und wissen genau, was sie in Straubing erwartet. Da steht z.B. ein Torhüter im Tor, der als leicht verrückt gilt, nur weil er kurzfristig die Strafzeitenliste der Liga angeführt hat und jetzt schon den DEL-Rekord der meisten Strafen für Torhüter hält. O-Ton eines Nürnberger Fans: “Ich fahre eigentlich nie Auswärts mit, aber ich wollte mal den Verrückten im Tor sehen!”
Ein weiterer wichtiger Teil der die Glückshormone nach oben treiben lässt ist die phasenweise bombensichere Abwehr. Außer den Nordlichtern aus Hamburg haben sich schon alle an Barry Brust, Jan Guryca und deren Vorderleuten die Zähne ausgebissen, was erst kürzlich der frühere Serienmeister aus Düsseldorf erfahren musste. Sie haben sogar alle vier Vergleiche glatt verloren und dabei hat die Offensiv-Abteilung der Niederbayern den Rheinländeren ganze 21 Tore eingeschenkt.

 

Natürlich gibt es noch weitere unvergessliche Eishockeyabende wie den 04.12.2011 in München, als die Mannschaft das fünfte Spiel in zehn Tagen absolvierte. Dies ist sogar für gestandene Eishockeyspieler ein Mammutprogramm. Die Tigers waren an diesem Abend einfach nicht unterzukriegen. Nicht einmal vom Stadionsprecher, der aus Frust sogar aus Straubing urplötzlich ein “Straubingen” machte. Aber er dürfte mittlerweile seinen Ausflug in die wirren der Deutschen Grammatik bitter bereut haben. Den Ausflug an diesem Abend nach München mussten die ca. 800 Fans die in die Landeshauptstadt gepilgert waren, dagegen nicht bereuen. Ein gewisser Matt Hussey bescherte den Anhängern ein unvergessliches Penaltyschiessen, in dem er nicht nur seine drei Penaltys verwandelte, sondern auch noch ein Tor erzielte das wohl zum Tor des Jahres gewählt werden dürfte. Derzeit befinden sich in der Tabelle hinter den Straubing Tigers keine geringeren Traditionsclubs wie die Kölner Haie, Augsburg Panther oder eben die Düsseldorfer.

 

Es stellt sich also die Frage, wie Sie ihr Außenseiterdasein verändern können? Das sollte aber nicht allzu schwer sein. Nächste Möglichkeit einen schönen, lauten, euphorischen Abend zu verbringen bietet sich bereits am Freitag den 20.01.2012 um 19.30 Uhr im Stadion am Pulverturm. Dazu sollten Sie sich vorab eine Eintrittkarte der Tigers sichern. Schal, Handschuhe, dicke Socken und Mütze nicht vergessen und sich im Stadion einen freien Platz ihrer Wahl suchen. Ein paar Tipps für Neulinge gibt es gratis noch dazu. Mit dem Gegner am Freitag, die Kölner Haie, ist noch eine Rechnung offen. Das erste Spiel verlor man trotz drückender Überlegenheit mit 1:4. In der Mannschaft der Tigers spielen 13 Spieler mit deutscher Staatsbürgerschaft, zwei Amerikaner, acht Kanadier und ein kleiner Franzose mit großem Kämpferherz. Falls Sie einen Tiger im Stadion herumlaufen sehen, keine Angst der beißt nicht. Es handelt sich nur um das Maskottchen. Sollten sie diese Tipps befolgen, können sie am Montag in der Kantine ihre Kollegen fragen: “Na, habt ihr auch das Spiel am Wochenende gesehen?”.

 

Tigers ziehen Option bei Benedikt Brückner und Bernhard Keil
Straubing. (PM) Die Straubing Tigers haben bei zwei jungen deutschen Spielern die Option auf eine Vertragsverlängerung gezogen und können auch in der kommenden Saison auf Verteidiger Benedikt Brückner und Stürmer Bernhard Keil bauen. Der 22-jährige Brückner spielt seit 2010 bei den Tigers und kann sowohl in der Abwehr wie auch im Angriff eingesetzt werden. In dieser Saison kam Brückner bei den Tigers auf 30 Einsätze und steht per Förderlizenz auch dem Kooperationspartner EV Regensburg zur Verfügung, bei denen er bislang sieben Einsätze verzeichnete.

 

Auf Bernhard Keil können die Tigers auch in Zukunft bauen - © by Eishockey-Magazin


Der 19-jährige Bernhard Keil, der ebenfalls seit 2010 bei den Tigers unter Vertrag steht, aber das erste Jahr in der kanadischen Juniorenliga WHL bei den Kamloops Blazers Erfahrung sammelte, hat sich in der DEL durchgesetzt.
Bislang absolvierte er 31 Partien und verzeichnet sechs Scorerpunkte mit einem Tor und fünf Assists.

 

„Es war durchaus eine Überlegung für mich, kommendes Jahr wieder nach Kanada zu gehen. Aber ich habe mit meinem Berater gesprochen und er hat mir geraten, erst einmal in der DEL zu bleiben, da ich bald 20 werde und es als Over-Age-Spieler in den kanadischen Juniorenligen nicht einfach ist“, so der aktuelle U20-Nationalspieler. Keil, der ebenfalls in Regensburg per Förderlizenz spielberechtigt ist, hatte die Personalentscheidung des Clubs bereits vorab nach dem Spiel gegen Ingolstadt verkündet.

 



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