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Neuss. (EM) Während das tägliche Leben in ganz Deutschland in diesen Tagen auf das Allernötigste heruntergefahren wurde, rückt der Sport zwangsläufig deutlich in den... Corona-Krise bringt Saisonplanungen wirtschaftlich und sportlich vollends ins Stocken

Sinnbildlich: Die Krise wird ihre Spuren hinterlassen – © Sportfoto-Sale (DR)

Neuss. (EM) Während das tägliche Leben in ganz Deutschland in diesen Tagen auf das Allernötigste heruntergefahren wurde, rückt der Sport zwangsläufig deutlich in den Hintergrund.

Anders als in der Fußball Bundesliga, wo man sich eher um die Auszahlung von TV-Geldern sorgt, sieht es in den „Randsportarten“ aus. Auch im Eishockey ist man stark von Zuschauereinnahmen abhängig. Die Zukunft von vielen Eishockeyklubs ist in diesen Tagen so unsicher, wie noch nie. Da Deutschland noch am Anfang der Corona-Pandemie steht, ist auch nicht absehbar wie stark die Unternehmen durch die zu erwartende Rezession getroffen werden. Die Einnahmenseite durch Sponsoring lässt sich derzeit praktisch nicht planen.

Schwenningens Geschäftsführer Christoph Sandner hat laut Neckarquelle erlassen, dass momentan wegen der Krise keine Vertragsabschlüsse für die Saison 20/21 getätigt werden.

„Wir müssen jetzt sehen, dass wir gut über den Sommer kommen“, hatte DEL Geschäftsführer Gernot Tripcke vor einer Woche im aktuellen Sportstudio bereits gesagt. Ein Diskussionspunkt auf Geschäftsführerebene der Klubs ist eine sogenannte „Corona-Klausel“, die man zukünftig in Verträge einbauen könnte. Diese soll die Klubs unter anderem vor Prämienzahlungen bewahren, wenn man keine Playoffs ausspielen kann oder Playoffs ohne Zuschauer stattfinden müssen. Durch das abrupte Ende der laufenden Saison und den Ausfall der Playoffs haben momentan einige Klubs das Problem, dass eigentlich für das Erreichen der Playoffs vertraglich zugesicherte Prämien an die Spieler fällig sind. Und das ohne ein Ausspielen der lukrativen Endrunde und damit auch ohne Zuschauereinnahmen. Der wirtschaftliche Kollaps einiger Klubs scheint dadurch vorprogrammiert.

Die letzten Transfermeldungen in diesen Tagen verdeutlichen auch, dass momentan wohl kaum ein Klub neue Verträge unterzeichnet. Die Wechsel von beispielsweise Mathias Niederberger von Düsseldorf nach Berlin, Felix Brückmann von Wolfsburg nach Mannheim oder von Ingolstadts Maury Edwards nach Köln, waren schon weit vor der Corona Krise in trockenen Tüchern.

Gesellschafterwechsel in Krefeld geplatzt

Vor einmal mehr ganz besonderen Herausforderungen stehen die Krefeld Pinguine. Nach dem monatelangen Hick-Hack um die neue Gesellschafterstruktur droht nun neues Ungemach. Der angestrebte Gesellschafterwechsel ist laut Rheinischer Post geplatzt. Ein nie namentlich genannter Unternehmer sollte spätestens Ende März die Anteile der Gesellschafter Wolfgang Schulz und Dirk Wellen übernehmen. Nun soll „Mister X“ abgesagt haben. Die Pinguine stehen damit Gerüchten zufolge vor der Zahlungsunfähigkeit. Geschäftsführer Matthias Roos erklärt gegenüber der RP ganz allgemein: „Es kann derzeit keiner mit Sicherheit sagen, wann wieder Sportveranstaltungen vor Publikum stattfinden. Und das bedeutet auch, dass keiner mit Bestimmtheit sagen kann, dass die Saison im September startet.“

Wellen: „Elf von vierzehn Klubs mit Problemen

Ähnlich klang am Donnerstag auch die Aussage von Iserlohns geschäftsführendem Gesellschafter und DEL Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Brück gegenüber der Heimatzeitung Iserlohner Kreisanzeiger. „Wir werden in Iserlohn auf jeden Fall wieder Eishockey spielen. Es kann nur sein, dass wir damit später als üblich beginnen.“
Krefelds Mit-Gesellschafter Dir Wellen mutmaßt in der Westdeutschen Zeitung: „Ich glaube, dass elf von vierzehn Teams darum kämpfen, im September noch in der Liga zu sein. Falls dann überhaupt die Saison beginnt.“

Hinter vorgehaltner Hand diskutieren Fans bereits über eine Verschiebung des Saisonstarts 20/21 auf Mitte Oktober. Zum heutigen Zeitpunkt ist aber auch das noch absolute Zukunftsmusik.

Start des Dauerkartenvorverkaufs teilweise gestoppt / Spieler müssen sich wohl individuell vorbereiten

Gemeinsames Sommertraining im Fitnesstudio ist vorerst nicht möglich – © Sportfoto-Sale (MK)

Aktuell sind die sonst nach der Saison üblichen Tätigkeiten bei den Klubs stark eingeschränkt. Teilweise war der Dauerkartenvorverkauf für die nächste Saison schon angelaufen und teilweise wurde er vorerst gestoppt. Die sonst üblichen Scouting-Touren fallen logischerweise komplett aus. Die Sichtung von Spielern findet momentan digital statt, Erkundungen über Stärken und Schwächen werden telefonisch getätigt. Wer über ein gutes Netzwerk verfügt, hat hier sicherlich einen Vorteil.

Und die Spieler? Sie befinden sich derzeit daheim im Urlaub. Schwierig wird es sobald die Sommervorbereitung starten muss. Fitness-Studios sind derzeit bis auf Weiteres geschlossen. Individuelle Traningspläne gilt es dann umzusetzen. Das gegenseitige „pushen“, wie sonst in Traningsgruppen üblich, fällt flach. Auf die Athletiktrainer dürfte zum Beginn der neuen Eiszeit viel Arbeit zukommen, denn nicht jeder Spieler kann alleine den „inneren Schweinehund“ überwinden.

Lizenzierungsverfahren mit Unwägbarkeiten

Klare Prognosen, wie stark der Eishockeysport von der Krise getroffen ist, lassen sich seriös sicherlich frühestens in einigen Wochen oder auch erst Monaten beantworten.
Folgerichtig dürfte sich auch das Lizenzierungsverfahren für die nächste Saison schwierig gestalten. Der Wegfall des Ligasponsors Covestro und eine starke Erhöhung der Beiträge zur Berufsgenossenschaft um 200.000 – 300.000 Euro pro Klub hatten schon vor der Corona Krise für ein Loch in der Kasse aller 14 DEL Klubs gesorgt. Ein „Loch“, das aber kalkulierbar war. Nun werden die Lizenzunterlagen aller Klubs bedingt durch Corona wohl viele Unwägbarkeiten enthalten.

Das wird freilich nicht nur DEL- und DEL2 Klubs betreffen. Die Probleme werden sich wie ein roter Faden durch die Ligen bis in den Amateur- und Nachwuchsbereich ziehen. In der Zeit nach der Krise könnte aber auch für alle eine Chance liegen, den Eishockeysport neu aufzustellen. Noch ist es dafür aber zu früh.

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Die Corona-Pandemie hat die Eishockeysaison vorzeitig beendet. Viele Klubs stehen dadurch vor einer ungewissen Zukunft. Würden Sie Ihren Verein mit dem Kauf von sogenannten Solidartickets unterstützen?

Redaktion

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