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Klobenstein (AR). So schnell kann’s gehen. Im letzten Jahr war der Finne Janne Saavalainen noch Assistenz-Trainer bei den Rittner Buam. Heuer steht er als... Rittner Buam-Head Coach Janne Saavalainen im Gespräch: „Ohne Sisu läuft nichts!“

Janne Saavalainen – © by Rittner Buam Media

Klobenstein (AR). So schnell kann’s gehen. Im letzten Jahr war der Finne Janne Saavalainen noch Assistenz-Trainer bei den Rittner Buam. Heuer steht er als Cheftrainer an der Bande.

Im Gespräch erzählt er uns über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen und Finnland. Außerdem gewährt er uns einen guten Überblick in das ethnologische Seelenleben eines Finnen und erklärt, warum „Sisu“ in der DNA eines Nordeuropäers festverankert ist.

Herr Saavalainen, in Finnland geht bekanntlich die Sonne nie unter und in Südtirol scheint immer die Sonne. Welche Unterschiede und Parallelen gibt es zwischen den beiden Ländern, rein zwischenmenschlich und eishockeymäßig gesehen?
Janne Saavalainen: In Finnland haben wir lange und im Winter sehr kurze und dunkle Tage. Wenn wir Sommer den und Winter vergleichen, haben wir eine Art Tag und Nacht. In Südtirol sind der Sommer, der Herbst und der Winter das Beste, aber nichts übertrifft ein wirklich frostiges und klirrend kaltes Winterwetter Mitte Januar in Finnland. Dann sackt das Quecksilber bis auf -25 °C in die Tiefe. Dennoch verfügen wir über heiße und sonnige Tage, die man auf einem See verbringen kann. Und Seen haben wir in Finnland viele zur Verfügung.
In Südtirol sind die Leute offener für Gespräche als in Finnland. Die Finnen tun sich schwer im Sprechen, wenn sie ihr Gegenüber nicht kennen. Sie schätzen sehr den sogenannten „persönlichen Raum“, aber es gibt auch bei uns offenere Menschen. Finnland ist bekannt als das glücklichste Land der Welt. Also denke ich, dass das für sich spricht.
Nun, wenn wir zum Eishockey kommen, herrscht eine ganz andere Welt. In Finnland ist das Eishockey die beliebteste Sportart. Es gibt keinen Zweifel daran, denn die Macht dieser Disziplin ist überall in den Medien vorhanden. Das Niveau des Sports und die professionelle Art und Weise, ihn auszuüben, könnte der größte Unterschied sein. Und im letzten Frühjahr wurden wir Weltmeister. Das sagt auch doch Einiges mehr aus…

Kann der Beruf eines Eishockeycheftrainers oftmals auch ein stressiger sein? Oder sind Sie wie viele Menschen aus dem hohen Norden Europas die Ruhe in Person, die es oft schafft, den Spagat zwischen Dauerbelastung und innerer Balance zu finden? Diese Eigenschaft könnte auch in der Kommunikation mit den Spielern und den Vorstand durchaus vorteilhaft sein…
Janne Saavalainen: Das Leben als Eishockeycheftrainer ist immer stressig, denn es gibt immer etwas, was man besser machen möchte. Wenn man etwas erreichen will, müssen das die Spieler besser machen. Und dann fehlt die Zeit für alles. Ein Coach, der diese Arbeit als Vollzeitjob macht und sagt, dass er sich nie gestresst fühlt, lügt wahrscheinlich oder er kennt die Bedeutung des Wortes Stress nicht.
Ich kann so tun, als wäre ich ruhig. Aber im Inneren tobt der Sturm weiter. Dann musst du den Ort und den Weg finden, diese beiden Gefühlslagen auszudrücken. Ich lasse meinen Stress abklingen, in dem ich einige Übungen im Fitnessstudio mache oder fünf bis sechsmal im sonnigen und schönen Ritten spazieren gehe.
Ich denke, dass das man zum inneren Gleichgewicht gelangt, wenn die eigenen Hintergründe zu Hause in Ordnung sind und man keine Sorgen hat, weiterzumachen. Manchmal ist es wegen der Entfernung schwer und die Familie ist wieder in Finnland.
Ich glaube auch, dass ich eine gute Kommunikationsbasis zu meinen Spielern und dem Vorstand aufgebaut habe und diese dementsprechend pflege. Ferner wurde ich daheim erzogen, offen zu sein und in ehrlicher Art und Weise mit anderen Menschen zu sprechen, sodass ich meinen Eltern in dieser Hinsicht meine Anerkennung aussprechen muss.

Sie waren in der letzten Saison noch als Assistenztrainer für die Rittner Buam im Einsatz. Ändert die jetzige, durchaus verantwortungsvollere Position Ihre Einstellung zur Materie und den Dialog mit den einzelnen Spielerpersönlichkeiten?
Janne Saavalainen: Nein, ich bin immer noch die gleiche Person. Aber jetzt übernehme ich die Verantwortung für das gesamte Team und die Entscheidungen, die beim Eishockey gefällt werden. Meine Einstellung war schon immer: Egal, was du tust, du musst zu jedem Zeitpunkt deiner Arbeit dein Bestes geben. Wenn man jeden Tag alle Spieler betrachtet und ihre Entwicklung verfolgt, ist es wichtig, denn sie müssen betreut werden. Dann geben die Akteure ihr Bestes. Das ist meine Art. Manchmal muss man hart, aber immer ehrlich sein, wenn man eine Rückmeldung ging. Doch die Spieler hier verstehen das.

Die Alps Hockey League geht heuer in ihre mittlerweile vierte Auflage. Auf welche Mannschaften muss man besonders achten und welchen Kollektiven kommt Ihrer Meinung nach die Rolle eines gefährlichen Außenseiters zu teil? Können alle vier Südtiroler Auswahlen den Einzug in die fünfte Jahreszeit – so wird ja bekanntlich das Playoff genannt – schaffen?
Janne Saavalainen:Ich glaube, dass das Niveau der Liga gestiegen ist und dass es in diesem Jahr viele gute Teams in der Alps Hockey League gibt. Jedes Team kann dich schlagen, wenn du ihm die Chance gibst, keine Frage. Nun, ich habe noch nicht so viel über die Playoffs nachgedacht, aber, solange wir uns für diese qualifizieren, ist alles gut für mich. Alle Südtiroler Mannschaften sind gut und spielen derzeit gutes Eishockey.

Wieso bedient der finnischen Witz „Ein introvertierter Finne schaut auf seine eigenen Schuhe, wenn er mit dir spricht; ein extrovertierter Finne schaut auf deine Schuhe“ das teils stereotypbehaftete und klischeebehaftete Denkmuster in unseren Breiten in Bezug auf die Finnen?
Janne Saavalainen:Nun, Finnen gehören einer bescheidenen und ehrlichen Nation an. Also könnten sie dir Respekt zollen, wenn sie das tun, was im „Witz“ erwähnt wurde… und Finnen sind auch ziemlich still und schüchtern, aber hart arbeitende Menschen, die nie aufgeben, weil sie das Ding namens „Sisu“ intus haben. Die Definition von Sisu entspricht einer Mischung aus Draufgängertum und Tapferkeit, Wildheit und Hartnäckigkeit, aber auch aus der Fähigkeit, weiter zu kämpfen, nachdem die meisten Menschen aufgegeben haben und aus dem Willen zu kämpfen und zu gewinnen! Ich glaube, das ist das, was uns im Norden auszeichnet!

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