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Krefeld. (EM) Sportlich sind die Pre-Playoffs für die Krefeld Pinguine nur noch rechnerisch möglich. Realistisch betrachtet dürften die Pinguine nach der DEL Hauptrunde unter... Was wäre, wenn die Krefeld Pinguine tatsächlich den Insolvenzantrag stellen müssen?

Foto mit Symbolcharakter: Die Krefeld Pinguine mussten in den letzten Monaten immer wieder Nackenschläge einstecken – © Sportfoto-Sale (JB)

Krefeld. (EM) Sportlich sind die Pre-Playoffs für die Krefeld Pinguine nur noch rechnerisch möglich. Realistisch betrachtet dürften die Pinguine nach der DEL Hauptrunde unter dem Strich stehen und die Saison somit am 8. März nach dem Heimspiel gegen München beendet sein.

Voraussetzung dafür ist allerdings das Abwenden des drohenden Insolvenzantrages. Seit Monaten bangen die Fans in der Seidenstadt um den Erhalt der Pinguine in der DEL. Am kommenden Dienstag soll auf einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung wieder einmal über die wirtschaftliche Situation beraten werden (wir berichteten) und entschieden werden, ob ein Insolvenzantrag gestellt werden muss.

Nach der Länderspielpause im Februar stehen für die Pinguine noch vier Auswärtsspiele in Iserlohn, Mannheim, Wolfsburg und Düsseldorf auf dem Programm. Möglicherweise droht diesen Klubs bei einem vorzeitigen Aus der Krefelder der Verlust der Heimspieleinnahmen.

Was aber sieht die aktuelle Spielordnung der DEL eigentlich im Falle einer Insolvenz vor?
Wenn ein Klub zwei Mal in einer laufenden Saison nicht ordnungsgemäß zu einem Meisterschaftsspiel antritt, dann scheidet er aus dem Spielbetrieb aus. Lediglich die Gesellschafterversammlung der Ligagesellschaft kann dann noch Abweichendes beschließen.
Scheidet ein Klub aus dem laufenden Meisterschaftsspielbetrieb aus, werden alle Spiele dieses Klubs in der laufenden Saison aus der Wertung genommen. Die Thomas Sabo Ice Tigers konnten beispielsweise aller drei bisherigen Vergleiche gegen Krefeld gewinnen und hätten dadurch dann einen Nachteil gegenüber anderen Klubs, die gegen die Pinguine Spiele verloren haben. Wenn das Ausscheiden erst in den Playoffs erfolgt, dann bleibt die Wertung bestehen. In diesem Fall wird die zum Zeitpunkt des Ausscheidens laufende Runde für den ausscheidenden Lizenz-Klub als verloren gewertet.
Im Fall Krefeld ist auch der §14 Absatz 3 von Interesse: In diesem heißt es: Wird bis zum letzten Spieltag der Hauptrunde über das Vermögen eines Lizenz-Klubs das Insolvenzverfahren beantragt und dieser Antrag nicht bis spätestens 14 Tage vor Ende der Hauptrunde zurückgenommen, so ist dieser Lizenz-Klub von der Teilnahme an den Playoffs ausgeschlossen. Wenn der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens erst in den Playoffs erfolgt und nicht bis zum letzten möglichen Spieltag der zu diesem Zeitpunkt laufenden Runde zurückgenommen wird, wird die zum Zeitpunkt des Antrags laufende Runde für den betroffenen Lizenz-Club als verloren gewertet.

Noch ist nach wie vor offen, wie die Geschichte in Krefeld enden wird. Krefeld ist neben den Augsburger Panthern, Kölner Haien, Eisbären Berlin, Adlern Mannheim und den Nürnberg Ice Tigers einer von ehemals 18 „Gründungsmitgliedern“ in der DEL. Düsseldorf und Schwenningen starteten 1994 ebenfalls in der DEL, waren aber auch einige Jahre nach wirtschaftlichen Problemen nicht in der Liga vertreten.

Insolvenzen und Rückzüge ziehen sich seit Jahrzehnten im deutschen Eishockey durch praktisch alle Ligen. Allein in der DEL, die 1994 die Eishockey Bundesliga quasi ablöste, gab es immer wieder Klubs, die in die Insolvenz gehen mussten. Nachfolgend eine Auflistung der Klubs, die aus der DEL ausgeschieden sind.

1994/1995: Die Mad Dogs München scheiden im Dezember 1994 aus und hinterließen dem Stammverein EC Hedos München rund 15 Millionen D-Mark Schulden.
1995/1996: Der SC Riessersee geht am Saisonende in die Insolvenz. Die Betriebsgesellschaft des EC in Hannover geht ebenfalls in Konkurs.
1997/1998: Rückzug der Kaufbeurer Adler nach Insolvenz. Die Düsseldorfer EG steigt meldet Konkurs an und steigt nach 33 Jahren Erstligazugehörigkeit am Saisonende mit über 20 Millionen Mark Schulden aus.
1999/2000: Bei den Starbulls Rosenheim zieht Hauptsponsor Kathrein nach dem Saisonende die Reißleine und verkauft die Lizenz nach Iserlohn.
2001/2002: Beim sportlichen Absteiger Berlin Capitals wir nach Saisonende das Insolvenzverfahren eröffnet. Ebenfalls nach Saisonende wird das Insolvenzverfahren bei den Moskitos Essen eröffnet.
2002/2003: Lizenzentzug für die Schwenninger Wild Wings (Sportlicher Sieger in den Playdowns gegen Frankfurt) im April 2003 nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens.
2008/2009: Die Füchse Duisburg ziehen sich am Saisonende zurück. Im Mai 2009 wurde das Insolvenzverfahren über die Füchse GmbH eröffnet.
2009/2010: Die DEL schließt die Kassel Huskies im Mai 2010 nach Insolvenz aus. Kassels langjähriger hessischer Rivale, die Frankfurt Lions, erhält Ende Juni 2010 ebenfalls keine neue Lizenz mehr.
2012/2013: Nach dem Saisonende ziehen sich die Hannover Scorpions (Meister 2010) zurück und verkaufen die Lizenz an Schwenningen.
2015:2016: Die Anschütz Entertainment Group will kurzfristig einen Käufer für die DEL Lizenz der Hamburg Freezers. In der Kürze der Zeit kann dieser trotz aller Anstrengungen nicht gefunden werden. Die AEG beantragt keine neue Spiellizenz für die Freezers.

Das aktuelle Szenario in Krefeld gleicht vielen Klubs, die aus wirtschaftlichen Gründen auf der Strecke blieben. Es gab aber auch durchaus Klubs, die den Kopf noch aus der Schlinge ziehen konnten. Man denke etwa an Nürnberg. 2009 hing die Zukunft der Ice Tigers nach dem Rückzug von Namenssponsor Sinupret (Bionorica) am seidenen Faden, bis Thomas Sabo bei den Ice Tigers in fast allerletzter Minute einstieg und somit die Zukunft der Franken sicherte. Und auch in Düsseldorf zogen 2012 mehr als nur zwei dunkle Wolken über der Brehmstraße auf, nachdem der langjährige Gönner Metro bei der DEG ausstieg. Ein Ausstieg, den die Metro AG übrigens schon im Mai 2011 angekündigt hatte. Retter- und Bekennerpakete wurden im Rahmen einer groß angelegten Aktion verkauft und so konnte die DEG unter ihrem alten Namen Düsseldorfer EG und mit kleinem Etat in der DEL weiter am Spielbetrieb teilnehmen. Man kann nur hoffen, dass es auch bei den Pinguinen zu einer positiven Einigung kommt und der Traditionsstandort wieder in ruhiges Fahrwasser gerät.

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Gelingt den wirtschaftlich angeschlagenen Krefeld Pinguinen noch die Rettung in allerletzter Minute?

Redaktion

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