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Sterzing (AR). Dustin Whitecotton steht bei den Wipptal Broncos an der Bande. Der 40-jährige Head Coach des Südtiroler Kollektivs spricht im Interview über seine... WSV Broncos Head Coach Dustin Whitecotton im Gespräch: „Eishockey ist und wird immer ein Spiel bleiben!“

Dustin Whitecotton – © by C. Flemming

Sterzing (AR). Dustin Whitecotton steht bei den Wipptal Broncos an der Bande. Der 40-jährige Head Coach des Südtiroler Kollektivs spricht im Interview über seine vielseitige Karriere als Aktiver, die Kommunikation mit seinen Spielern, den sehr gelungenen Saisonauftakt und vieles mehr.

Ferner kommen der tragische Tod des Kitzbüheler Tormannes Florian Janny und die Antwort auf die Frage, wie man damit umgeht, zur Aussprache.

Herr Whitecotton, trotz Ihres jungen Alters als Head Coach haben Sie als Aktiver in den USA, in Deutschland, in Nordirland und in Frankreich die Schlittschuhe angezogen. Nun heuern Sie als Cheftrainer in der nördlichsten Stadt Südtirols an und wollen die Wipptaler Broncos zu einem konkurrenzfähigen Team in der Alps Hockey League formen. Kann Ihnen die gesammelte Erfahrung weiterhelfen?
Dustin Whitecotton: Ich hoffe schon, dass uns meine Erfahrung als Spieler weiterhelfen kann. Wir sind ein junges Team und als Spieler war ich oft in Teams mit vielen jungen Spielern und selbst habe ich natürlich auch diese Entwicklung durchgemacht. Jetzt hoffe ich, dass ich diese persönlichen Erfahrungen mit einfließen lassen und so gut wie möglich weitergeben kann. Die Teammechanismen sind international sehr ähnlich, aber es gibt immer individuelle Charaktere, denen man gerecht werden muss.

Warum ist es für einen erfolgshungrigen und -orientierten Trainer immer wichtig, die Kommunikation mit den Spielern aus ungleichen Perspektiven zu betrachten, weiterzuentwickeln und zu optimieren? Ist der Dialog auf Augenhöhe ein Charakteristikum für eine Harmonie in der Mannschaft, wenn es darum geht enorme Erkenntnisgewinne im zwischenmenschlichen und psychologischen Bereich zu bekommen?
Dustin Whitecotton: Das ist die größte Herausforderung im Eishockey auf diesem Niveau. Wir haben sehr viele verschiedene Individuen, viele Spieler arbeiten, es gibt auch Vollprofis und generell hat jeder Spieler unterschiedliche Voraussetzungen, sowohl sportlich, als auch persönlich. Die Beziehung Spieler-Trainer ist nur in der Theorie asymmetrisch. Ich muss versuchen, die Spieler davon zu überzeugen, dass meine Vorgehensweise die Richtige ist. Diese Autorität muss ich mir immer wieder neu erarbeiten, sie ist nicht einfach nur durch meine Position gegeben. Ich versuche, dem Team auf Augenhöhe zu begegnen und sie ernst zu nehmen. Erst wenn jeder einzelne Spieler von einem System überzeugt ist, kann die Mannschaft erfolgreich sein.

Ihr Verein ist mit fünf Siegen in fünf Spielen sehr gut in die Meisterschaft gestartet. Kann man diesen Saisonstart als Kampfansage an die Rittner Buam, den HC Pustertal, den amtierenden Meister Olimpija Liubljana und an andere Kollektive ansehen, denken Sie von Spiel zu Spiel und legen Sie erst zu einem späteren Zeitraum Ihre realistischen, mittel- bis langfristigen Ziele fest?
Dustin Whitecotton: Wir sind gut in die Saison gestartet und wir wollen natürlich konkurrenzfähig sein. Unsere Ziele für die Saison lassen sich aber nicht nur in Punkten oder Tabellenplätzen ausdrücken. Wir wollen uns über den Verlauf der Saison gesehen stetig verbessern und immer besser harmonieren. Unser Ziel ist, am Ende der Saison unser bestes und eingespieltes Eishockey zu zeigen. Wir konzentrieren uns auf den nächsten Gegner und wollen lernen, wie man professionell denkt und konstant eine gute Leistung auf das Eis bringt.

Der Fünffachmord in Kitzbühel, bei dem auch der Tormann der Adler sein junges Leben lassen musste, ist noch in aller Munde. Kann man mit einfachen Worten so etwas verarbeiten? Wie tief sitzt der Schock, wenn ein gern gesehenes, gegnerisches Kollektiv so einen schweren Schicksalsschlag erleben muss und möglicherweise über eine längere Zeit nie richtig über den Verlust eines hochtalentierten Spielers hinwegkommt?
Dustin Whitecotton: Nein, mit einfachen Worten kann man über so eine Nachricht nicht hinwegkommen. Wir waren alle sehr schockiert, als wir davon erfahren haben. Die Eishockeywelt ist an sich sehr klein und die meisten Spieler kennen einander. Dadurch sind natürlich viele persönlich betroffen, aber diese Strukturen können auch hilfreich sein, wenn man sich untereinander austauschen und so einen Teil zum Verarbeitungsprozess beitragen kann.

Kann man von den Ausführungen Ihrer vierten Antwort ableiten, dass Eishockey oftmals nur die schönste Nebensache der Welt ist und dass die Liebe zur Puckszene nur ein winzig kleiner Teil des Lebens ist und es wichtig ist, immer den Menschen in den Vordergrund zu stellen und seine Ängste und Sorgen ernst zu nehmen?
Dustin Whitecotton: Eishockey ist und wird immer ein Spiel bleiben. Wenn wir spielen und uns vorbereiten nehmen wir es sehr ernst. Aber natürlich rückt eine Tragödie wie diese viele Dinge wieder in die richtige Perspektive.

Redaktion

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