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Toronto. (LM) Die Hockey Hall of Fame in Toronto nahm am 11. November 2016 die neuesten Mitglieder in ihren Kreis auf.... Class of 2016 – Hockey Hall of Fame: Sergei Makarov – Der europäische Gretzky

Toronto. (LM) Die Hockey Hall of Fame in Toronto nahm am 11. November 2016 die neuesten Mitglieder in ihren Kreis auf. Der Jahrgang 2016 besteht aus Eric Lindros, Sergei Makarov, Rogie Vachon und Pat Quinn. Warum wurden diese Spieler und Trainer in die Ruhmeshalle des Eishockeys aufgenommen?

Sergei Makarov – Der europäische Gretzky

Nur wenige Spieler in der Geschichte der National Hockey League können für sich in Anspruch nehmen, dass eine Regel extra wegen ihnen geändert wurde. Sergei Makarov ist einer dieser Spieler. Die NHL änderte 1990 die Voraussetzungen für die Verleihung der Auszeichnung als bester Nachwuchsspieler, nachdem der damals 31-jährige Makarov zum „Rookie of the year“ ernannt worden war. Seitdem darf diese Trophäe nur noch an Spieler unter 26 vergeben werden. Makarov  überzeugte in seiner Premierensaison in Nordamerika mit 86 Punkten in 80 Spielen. Für Experten war der Flügelstürmer aber bereits seit Ende der 1970er Jahre einer der besten Eishockeyspieler.

Bruderduelle zu Beginn der Karriere

Sergei Makarov wurde am Juni 1958 als jüngster von drei Brüdern in Tscheljabinsk geboren. Während Vater Mikhail Fußball in der Betriebsmannschaft seines Arbeitgebers spielte, zog es seine drei Jungs bereits früh aufs Eis. In zahlreichen Duellen mit seinen Brüdern Nikolai und Juri schärfte Sergei bereits früh seine Fähigkeiten mit Schläger und Puck. Da Sergei sich von Anfang an gegen ältere und größere Spieler durchsetzen musste, war es umso wichtiger früh an seiner Geschwindigkeit und technischen Finesse zu arbeiten. Als Vorbild diente dem jungen Sergei Makarov eine andere Legende des sowjetischen Eishockeys, Valery Kharlamov. Den Flügelstürmer sah Makarov erstmals, als er seinen älteren Bruder Nikolai im Trainingslager des Teams der roten Armee besuchte. Ehrgeiz, familiäre Anlagen und ein sportliches Vorbild, die Voraussetzungen für die Karriere von Sergei Makarov waren gut.

Bereits früh zeigte sich auch das Temperament des russischen Ausnahmekönners. Fast hätte ein frustrierter Makarov mit 16 seine Laufbahn beendet, bevor sie richtig begonnen hatte. Als bester Spieler           stand Sergei häufig auch im Fokus der Kritik, was fast dazu geführt hätte, dass der Teenager die Schlittschuhe an den Nagel gehängt hätte. Doch Makarov machte weiter und debütierte mit nur 18 Jahren für Traktor Tscheljabinsk in der ersten sowjetischen Liga. In der folgenden Spielzeit 1977/78 erzielte Makarov bereits 18 Tore in 31 Saisonspielen. Zudem gewann der 19-jährige im zweiten Jahr hintereinander die Juniorenweltmeisterschaft mit der sowjetischen Nationalmannschaft.

Sergei Makarov – © by PR Red Army

Erste WM, erster Titel

Die Leistungen von Makarov waren so gut, dass Nationaltrainer Viktor Tikhonov den Stürmer mit zur Senioren-WM nahm, obwohl nur wenige Eishockeyfans außerhalb des Urals von Sergei gehört hatten. Bei der Endrunde in Prag reichte es immerhin für fünf Punkte in zehn Spielen. Viel wichtiger war aber der Titelgewinn mit der „Sbornaja“. Die erste Weltmeisterschaft für Sergei Makarov – bis 1990 sollten sieben weitere Triumphe folgen.

Makarov hatte die Eishockeywelt außerhalb Tscheljabinsks auf sich aufmerksam gemacht, und so folgte in der Sommerpause 1979 die Berufung zum Vorzeigeklub der UDSSR, ZSKA Moskau. Zusammen mit Vladimir Krutov und Igor Larionov bildete Sergej Makarov in den folgenden Jahren die legendäre „KLM“-Reihe.  Die Zeit bei der roten Armee war kein Zuckerschlecken. Die Spieler konnten das umzäunte Trainingsgeländer bei Moskau mit Glück einmal die Woche verlassen. Elf von zwölf Monaten im Jahr wurde Kondition, Kraft und Technik geschult. Das Pensum in dieser Zeit war hoch, aber für Makarov noch nicht hoch genug. „Inmitten unserer Trainingslager absolvierte Sergei Extraeinheiten“, berichtete Igor Larionov später. „Er stand früher auf als alle anderen und spielte um fünf Uhr morgens Tennis.“  Für Slava Fetisov, selbst in der Hall of Fame, und damals sowjetischer Verteidiger, gab es nur einen Grund für das Verhalten Makarovs: „Sergei wollte allen einen Schritt voraus sein.“

Enttäuschung bei Olympia, Erfolge im Rest des Jahrzehnts

Die erste herbe Niederlage musste Makarov mit der russischen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 1980 in Lake Placid einstecken. Die UDSSR verlor das „Miracle on Ice“ und gewann am Ende „nur“ olympisches Silber. Im darauffolgenden Jahr gelang den Sowjets und Makarov aber eindrucksvoll die Rehabilitation. Mit neun Punkten in sieben Spielen führte Makarov seine Mannschaft zum Sieg beim Kanada-Cup.

Während der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts erarbeitete sich Makarov dann den Ruf als „Gretzky Europas“. ZSKA Moskau gewann die sowjetische Meisterschaft von 1979-1989 elfmal in Serie. Makarov war dabei in neun Jahren der punktbeste Spieler der Liga und wurde dreimal Torschützenkönig. 1980, 1985 und 1989 erhielt Sergei die Auszeichnung als wertvollster Spieler der sowjetischen Liga.  Für Makarov persönlich dürfte die zweimalige Auszeichnung als technisch bester Spieler in Russland eine besondere Ehre gewesen sein. Der „Kharlamov-Preis“ wurde schließlich nach Sergeis Vorbild Valery Kharlamov benannt.

Später Draftpick, spätes NHL-Debut

Beim Nachwuchsdraft 1983 lief bereits die zwölfte Runde. So spät in einer Draftveranstaltung ziehen die Mannschaften für gewöhnlich nur noch Spieler, von denen sie zeitnah keinen Einsatz im jeweiligen NHL-Team erwarten. Auch die Calgary Flames machten sich keine Hoffnung darauf, dass der 231. Pick dieses Jahres in einer der nächsten Spielzeiten zu Einsätzen in Nordamerika kommen würde. Zwar war es nichts Ungewöhnliches mehr, dass eine Mannschaft aus der National Hockey League einen Spieler von der anderen Seite des Eisernen Vorhangs auswählte, aber gespielt hatten bisher nur die wenigsten in der NHL. Die Flames wählten also Sergei Makarov aus, ohne eine Ahnung davon zu haben, ob er jemals in Alberta auf dem Eis stehen würde.

Sechs Jahre später hatte sich die Situation vollkommen geändert. Dank Gorbatschow und Perestroika drehte sich das politische Klima, und in der Folge veränderten sich auch die Rahmenbedingungen in der Eishockeywelt. Waren die ersten sowjetischen Spieler in der NHL noch in Nacht und Nebel aus Osteuropa geflohen, so bemühte sich der sowjetische Eishockeyverband mittlerweile selbst um den Transfer der Profis nach Nordamerika. Nicht ganz ohne Eigennutz, denn die Ablösesummen in westlichen Devisen waren sehr begehrt.

Die Flames hatten mit Spielern aus Übersee in den Vorjahren gute Erfahrungen gemacht. Mit den Schweden Hakan Loob und Kent Nilsson war Calgary 1989 erstmals Meister geworden. Sergei Makarov sollte ab der Saison 1989/90 Loob ersetzen, der wieder zurück in seine Heimat gewechselt war. In der Saisonvorbereitung besuchten die Flames-Spieler Gary  Roberts und Joe Nieuwendyk ihren neuen Mannschaftskollegen in dessen Heimat. Nachdem Roberts die Wohnung von Makarov, in der es einen eigenen Raum für die zahlreichen Pokale und Preise gab, die Sergei bis zu diesem Zeitpunkt gewonnen hatte, gesehen hatte, realisierte Roberts, welchen Stellenwert Makarov in seiner Heimat hatte. „Dieser Junge ist der Wayne Gretzky Russlands“, wurde Roberts nach diesem ersten Kennenlernen klar.

Sergei Makarov, Alexei Kasatonov, Igor Larionov, Vyacheslav Fetisov and Vladimir Krutov. Photo TASS / Igor Utkin

Verschiedene Eishockeykulturen treffen aufeinander

Die Anfangszeit in Kanada war für Sergei Makarov nicht einfach. Der Russe sprach sehr schlecht Englisch, so dass die Integration nur mühsam gelang. Dazu prallten zwei vollkommen unterschiedliche Spielphilosophien aufeinander. Makarov war das technisch versierte, auf Puckbesitz basierende russische Eishockey gewohnt. Reihenwechsel fanden bei ZSKA teilweise erste nach ein bis zwei Minuten statt. Die Spieler nutzen dabei ihre Passfähigkeiten, um den Gegner müde zu spielen und bei Fehlern gnadenlos zuzuschlagen.

In Calgary war Trainer Terry Crisp dagegen ein Anhänger der klassischen „Dump-and-Chase“-Spielweise. Der Puck wurde vor der blauen Linie des Gegners tief gespielt, die Angriffsreihe fuhr hinterher und versuchte im Forechecking wieder an den Puck zu kommen. Für Makarov war diese Spielweise ein Grauen. Wenn einer seiner Mitspieler den Puck tief gespielt hatte, dann schaute ihn Makarov oft mit einem Gesichtsausdruck an der sagte „Du hast den Puck tief gespielt, du musst ihn auch wieder erobern.“ Das Temperament von Makarov führte dazu, dass er während seiner gesamten NHL-Karriere immer wieder ausgiebig mit dem jeweiligen Trainer diskutierte, wenn der zu sehr auf den eher kanadischen Stil Wert legte.

Achtungserfolg mit dem neuen Team San Jose Sharks

Wie bereits erwähnt war Sergei Makarov trotzdem so erfolgreich in seiner ersten Spielzeit in der NHL, dass die Liga die „Makarov-Regel“ einführte. Auch die folgenden Spielzeiten in Kanada waren individuell durchaus erfolgreich. In 297 Spielen für die Flames sammelte Makarov 292 Punkte. Trotzdem landete Sergei im Sommer 1993 über den Umweg Hartford bei den San Jose Sharks[1].

Die Sharks waren noch ein sehr junger Verein, und die Mannschaft bestand weitestgehend aus Spielern, die im Expansiondraft ausgewählt worden waren. Einer dieser Spieler war allerdings ein guter Freund und ehemaliger Teamkollege von Sergei Makarov, Igor Larionov. Zusammen mit dem Schweden Johan Garpenlov bildeten die beiden ehemaligen Sowjets eine schlagkräftige erste Reihe. Makarov erzielte mit mittlerweile 35 Jahren sogar noch einmal 30 Tore in der regulären Saison[2].  Damit stellte der Flügelstürmer einen neuen Rekord in der jungen Geschichte der Franchise auf. Anders als in den vier Jahren bei den Flames, konnte Sergei mit den Sharks auch in den Playoffs einen Achtungserfolg feiern.  San Jose besiegte die favorisierten Detroit Red Wings in der ersten Playoffrunde in sieben Spielen.

Probleme im Lockoutjahr, Pause und Karriereende

Die zweite Saison in San Jose war das Lockoutjahr 1994/95. In 43 Spielen konnte Makarov nur noch zehn Tore erzielen, insgesamt reichte es nur noch für 24 Punkte. Mittlerweile war Sergei fast 37 und konnte seine Puckkontrolle nicht mehr so produktiv einsetzen, wie noch zu Anfang seiner Karriere in der NHL. Die Sharks sahen keine Zukunft mehr für den Russen und so war Makarov ohne Vertrag. Die Spielzeit 1995/96 setze Sergei Makarov komplett aus und war nur als Assistenztrainer der russischen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft aktiv.

Im Herbst 1996 versuchte sich Makarov dann noch einmal in Nordamerika. Er unterschrieb einen Vertrag bei den Dallas Stars, aber nach nur vier Spielen ohne einen einzigen Punkt war die Laufbahn in Übersee beendet. Auch ein letzter Comebackversuch in der Schweiz scheiterte nach wenigen Spielen. 1997 beendete Sergei Makarov seine äußerst erfolgreiche Karriere auf dem Eis. Er gehört zu den international Superstars der 80er Jahre, und auch seine 384 Punkte in 424 NHL-Spielen im Alter jenseits der 30 waren aller Ehren wert.

 

[1] Erst wurde Makarov für einen Viertrundenpick (Jason Smith) nach Hartford getauscht. Dann wechselte er mit einem Erstrunden- (Viktor Kozlov), Zweitrunden- (Vlastimil Kroupa) und Drittrundenpick (Ville Peltonen) für San einen Erstrundenpick (Chris Pronger) zu den Sharks.

[2] Bereits 1990/91 hatte Makarov für Calgary 30 Tore in der Hauptrunde erzielt.

Redaktion

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